top of page
Suche
  • AutorenbildDr. Löw

Bank Job auf Snapchat – Wer will schnell Geld verdienen?

Die wichtigsten Hinweise zur aktuellen Betrugsmasche auf Snapchat


Derzeit überflutet eine neue Art des Betrugs die Polizeistationen des Landes. Es handelt sich dabei um Stories auf Snapchat, in denen angeboten wird, dass man innerhalb von 24 Stunden 1,5-4 k verdienen kann. Sollten Sie überlegen, ob Sie sich auf eine Anzeige melden oder wenn Sie bereits aktiv geworden sind, sollten Sie das Folgende wissen:



1. Wie gehen die Täter vor?


Die Täter erstellen bei Snapchat, Ebay-Kleinanzeigen, Instagram oder YouTube Stories in denen gefragt wird, wer schnell Geld verdienen will. Auf den Bildern ist eine große Menge Bargeld zu sehen und es wird behauptet, dass alles legal ist. Ist es aber nicht!


Wenn Sie sich auf eine Story melden, wird Ihnen erzählt, dass es sich um legale Gelder aus Onlineverkäufen handelt, die auf Ihrem Konto eingehen und die Sie in bar bei der Bank abheben und anschließend weiterleiten sollen. In Wirklichkeit handelt es sich aber um Gelder, die aus anderen Straftaten stammen. Bei den sog. Bank Jobs, bei denen die Opfer ihre Bankkonten zur Verfügung stellen, handelt es sich daher um sog. Finanzagenten, die sich der Geldwäsche strafbar machen.

Im nächsten Schritt werden Sie sich mit den vermeintlichen Auftraggebern treffen. Diese werden Sie mit einem teuren Wagen abholen und behaupten, dass sie Ihre Bankkarte, PIN und Online-Banking Daten benötigen. Sie werden nicht widersprechen, da Ihnen inzwischen klar geworden ist, dass Sie mit den Tätern wirklich Probleme bekommen, wenn Sie nicht mitmachen. Also teilen Sie Ihre Bankdaten und Sie werden angewiesen, in den nächsten Tagen aktiv am Handy zu sein.


In den kommenden 24 Stunden wird Geld auf Ihr Konto eingehen. Es handelt es sich dabei um Überweisungen von Privatpersonen, bei denen Sie alleine am Namen erkennen können, dass sie älter sind. Unmittelbar nach dem Geldeingang werden Sie aufgefordert das Geld abzuheben. Bei größeren Summen müssen Sie hierfür an den Bankschalter. Es wird ein Treffen mit den Tätern vereinbart bei dem Sie das Geld übergeben und im Gegenzug 10 % behalten dürfen.


Nach kurzer Zeit wird Ihre Bank das Konto schließen und sich bei Ihnen melden. Auch erreichen Sie Vorladungsschreiben der Polizei mit den Vorwürfen des Betrugs oder Geldwäsche. Ihnen wird klar, dass Sie richtig Mist gebaut haben.



2. Woher stammen die Gelder?


Die Gelder stammen zu 99% aus Straftaten. Ganz oft sind es die „Hallo Mama Betrugsfälle“, bei denen WhatsApp Nachrichten verschickt werden und nach Geld in einer Notsituation gefragt wird. Diese Betrugsvariante vor der inzwischen sogar die Verbraucherzentrale warnt, läuft immer nach dem gleichen Muster. Zuerst wird dem Opfer mitgeteilt, dass die Tochter oder der Sohn ein neues Handy habe und die neue Nummer eingespeichert werden soll. Anschließend wird ein wenig unverfänglich gechattet und dann wird um Hilfe bei einer Überweisung gebeten, da die Tochter oder der Sohn aufgrund des neuen Handys noch kein Zugriff aufs Online-Banking hat.


Als Empfänger der Überweisung werden die Konten, der über Snapchat angeworbenen Nutzer angegeben. Das Geld was auf Ihrem Konto eingeht, stammt daher von den abgezockten Eltern, die ihren Kindern helfen wollten.




3. Habe ich mich strafbar gemacht?


Ja! Regelmäßig erfüllt das Weiterleiten von Geldern, die aus einer Straftat stammen, den Tatbestand der Geldwäsche gem. § 261 StGB.


Grundsätzlich ist für die Verwirklichung einer Straftat zudem erforderlich, dass vorsätzlich oder leichtfertig gehandelt wurde. Die Annahme von Vorsatz hat in diesem Zusammenhang aber keine hohen Hürden. Grundsätzlich reicht nach der Rechtsprechung aus, dass die Erfüllung eines Straftatbestandes billigend in Kauf genommen wurde. Auch die Voraussetzungen, die an ein leichtfertiges Handeln gestellt werden, sind in dieser Konstellation regelmäßig erfüllt. Denn auch, wenn Sie am Anfang gedacht haben, dass alles legal sei, hätte Ihnen spätestens zum Zeitpunkt in dem Sie ohne schriftlichen Vertrag Gelder auf Ihr Konto erhalten, klar werden müssen, dass etwas nicht richtig sein kann.



4. Welche Strafe kann mir drohen?


Das Gesetz sieht für eine vollendete Geldwäsche einen Strafrahmen von einer Freiheitsstrafe von bis zu 5 Jahren oder Geldstrafe vor. Sofern festgestellt wird, dass Sie nur leichtfertig nicht erkannt haben, dass die Gelder aus einer Straftat stammen, reduziert sich der Strafrahmen auf eine Freiheitsstrafe von bis zu 2 Jahren oder Geldstrafe. Die Höhe der Strafe im Einzelnen richtet sich dabei immer nach möglichen Vorstrafen, der Schadenshöhe und dem Verhalten nach der Tat.

Zu der Strafe kommt nach der Neufassung des Geldwäscheparagraphen im Jahr 2021 zudem die Möglichkeit, dass die Einziehung angeordnet wird, § 261 Abs. 10 StGB. Die Einziehung soll sicherstellen, dass sich Straftaten nicht lohnen und die Gelder, die durch Straftaten erlangt wurden, den Tätern wieder abgenommen werden. Im Falle der Geldwäsche droht Ihnen daher, dass die Gelder, die auf Ihrem Konto eingegangen sind, im Wege der Wertersatzeinziehung von Ihnen zurückgefordert werden. Diese Einziehungsentscheidung tritt dabei neben die Strafe.



5. Wie gehe ich am Besten vor, wenn ich mitgemacht habe?


Wenn Sie auf eine Anzeige geantwortet haben und Gelder über Ihr Konto gelaufen sind, sollten Sie einen Rechtsanwalt aufsuchen und eine Selbstanzeige erstatten. Unter den Voraussetzungen des § 261 Abs. VIII StGB kann es im Einzelfall möglich sein, einen Strafaufhebungsgrund zu schaffen, der dazu führt, dass Sie nicht bestraft werden.

Da die Geldwäsche nach § 261 Abs. VI StGB leichtfertig verwirklicht werden kann, gehört die Geldwäsche zu einem der wenigen Straftatbestände, in denen eine Rechtsschutzversicherung die Rechtsanwaltsgebühren regelmäßig übernimmt. Das gilt natürlich nur, wenn Sie schon vor der Tat die Rechtsschutzversicherung abgeschlossen hatten.



6. Wie gehe ich am Besten vor, wenn ich mein Geld verloren habe?


Wurden Sie Opfer von einem Online-Betrug, sollten Sie unmittelbar Ihre Bank kontaktieren und einen Rückruf der Überweisung veranlassen. Wenn Sie schnell genug reagieren, können Sie so den Schaden abwenden. Zudem sollten Sie auch eine Strafanzeige gegen Unbekannt bei der örtlichen Polizei stellen.

Ist es jedoch nicht möglich die Überweisung zurückzurufen, gibt es zwei Szenarien in denen Sie Ihren Schaden ersetzt bekommen.


a) Die Täter werden ermittelt und die Gelder eingezogen.

Die Polizei ermittelt die Täter und lässt über das Gericht einen Vermögensarrest oder eine Vermögenseinziehung anordnen. In diesem Fall kann der Geschädigte innerhalb von 6 Monaten seinen Schaden bei der zuständigen Staatsanwaltschaft anmelden. Nach dem rechtskräftigen Abschluss des Verfahrens werden die Gelder dann an den Geschädigten ausgekehrt,§§ 459h Abs. 2, 459k StPO.


b) Zivilrechtsweg

Wenn die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen nur oberflächlich betreibt und das Verfahren ohne Anklage – aus welchen Gründen auch immer – abschließt, besteht für die Geschädigten zudem der Zivilrechtsweg. Hier können gegen die Person, auf dessen Konto das Geld zunächst geflossen ist, Schadensersatzansprüche geltend gemacht werden. Wie oben dargestellt, verwirklichen diese regelmäßig den Tatbestand der Geldwäsche und haften daher deliktisch nach § 823 Abs. 2 BGB. Um gegen die Täter vorzugehen, ist lediglich die Kenntnis von Namen und Wohnort erforderlich. Dieser kann durch die Einsicht in die Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft in Erfahrung gebracht werden.



7. Fazit


Anzeigen auf Snapchat, die das schnelle Geld versprechen, können schnell zu Strafanzeigen führen. Bevor Sie sich auf eine Anzeige melden, sollten Sie daher prüfen, ob es sich um ein seriöses Angebot handelt. 1,5 bis 4 k innerhalb von 24 Stunden zu verdienen, ohne dafür arbeiten zu müssen, sondern einfach nur sein Konto zur Verfügung zu stellen, ist einfach zu schön um legal zu sein. Wenn Sie dennoch auf die Betrüger reingefallen sind oder Opfer von Betrügern geworden sind, können Sie sich gerne bei mir melden.





51 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen
bottom of page