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Paxful – Was tun, wenn Sie wegen Betrugs beschuldigt werden?

Aktualisiert: 13. Nov. 2023

Paxful – Was tun, wenn Sie wegen Betrugs beschuldigt werden?

Bei Paxful.com handelt es sich nach eigenen Angaben um die führende Peer-to-Peer Handelsplattform für Bitcointransaktionen. Die Besonderheit liegt darin, dass mehr als 350 Zahlungsmethoden zum Kauf bzw. Verkauf genutzt werden können. Aber was passiert, wenn ich nach einer Transaktion bei Paxful.com Post von der Polizei erhalte und mir die Begehung einer Straftat vorgeworfen wird.


1. Wie funktioniert Paxful?

Bei Paxful.com handelt es sich um eine Plattform, auf der Nutzer untereinander Bitcoin kaufen und verkaufen können. Dabei können die Nutzer aber nicht nur Bitcoin in Euro oder andere Währungen umtauschen, sondern auch eine Vielzahl von Geschenkkarten, digitale Währungen und sogar Waren in Bitcoin tauschen.


Hier ein Beispiel:

Meine Mandantin ist Studentin und verfügt über Bitcoin aus einem anderen Geschäft. Sie findet auf der Seite Paxful.com einen Nutzer, der Gutscheine der Firma Nike zum Verkauf anbietet. Der Verkäufer will für die Gutscheincodes nur 70% der Gutscheinhöhe, bietet also einen Gutschein im Wert von 100 EUR für umgerechnet Bitcoin in Höhe von 70 EUR an. Meine Mandantin stimmt dem Deal zu, erhält die Gutscheincodes via WhatsApp übermittelt und bestellt online Waren in Wert von 100 EUR. Beim Abschluss des Bestellvorgangs trägt sie den Gutscheincode ein und gibt als Lieferadresse natürlich ihre eigene Adresse ein.


2. Wo liegen die Risiken?

Was meine Mandantin nicht wusste ist, dass die Gutscheincodes kurz zuvor vom Verkäufer mit illegal erlangten Personal- und Kontodaten einer dritten Person erstellt wurden. Hier im Beispiel wurden die Gutscheine mit den Personal- und Kontodaten des Herrn X erstellt. Als Herr X am nächsten Tag auf seinem Kontoauszug erkennt, dass von seinem Konto Geld an die Firma Nike für eine Geschenkkarte abgebucht wurde, obwohl er nichts bestellt hat, erstattet er Anzeige gegen Unbekannt. Die Polizei ermittelt in der Folge wer den Gutschein eingelöst hat und kommt dabei auf meine Mandantin. Da meine Mandantin von der Tat profitiert, sieht die Polizei einen Anfangsverdacht und leitet gegen sie ein Ermittlungsverfahren wegen Computerbetrugs gem. § 263a StGB ein.

Obwohl meine Mandantin den Sachverhalt bei der Polizei erklärt hat und Screenshots über die Transaktion bei Paxful.com eingereicht hat, wurde von der Staatsanwaltschaft Köln Anklage wegen Computerbetrugs gegen meine Mandantin vor dem Amtsgericht Leverkusen erhoben.


3. Was sagt das Gericht?

Nachdem meine Mandantin die Anklage im Briefkasten findet, werde ich mit der Verteidigung beauftragt. Vor dem Amtsgericht Leverkusen erklären wir dem Gericht und der Staatsanwaltschaft noch einmal die Funktionsweise von Paxful.com. Wir legen dar, dass nicht meine Mandantin, sondern der Verkäufer auf Paxful.com der Täter des Computerbetrugs ist, da er die Daten von Mr. X unbefugt zur Erstellung des Gutscheins verwendet hat. Meine Mandantin hat erst nach dieser Straftat den Gutschein über Paxful.com erworben. Dies belegen auch die von den Onlineshops übermittelten Daten. Nach 20 Minuten herrscht Stille im Saal und der Vorsitzende stellt die Frage: „Was machen wir denn jetzt?“ Selbst die Staatsanwaltschaft erkennt, dass ein Freispruch die einzig richtige Lösung ist und so kommt es am Ende auch zum Freispruch.


4. Fazit

Meine Mandantin ist glücklich, da das Strafverfahren, dass sie die letzten zwei Jahre belastet hat, endlich vorbei ist. Die Seite Paxful.com wird sie dennoch nicht mehr nutzen. Auch wenn sie rechtlich nicht zu kritisieren ist, besteht insbesondere beim Kauf von Gutscheinen oder Geschenkkarten das Risiko, dass diese aus illegalen Taten stammen. Hierdurch droht die Einleitung von Ermittlungsverfahren wegen Computerbetrugs oder auch von Geldwäsche. Gerade in Fällen in denen der Rabatt so hoch ist, dass der Verkauf wirtschaftlich unvernünftig ist, sollte man der Versuchung widerstehen und kein Risiko eingehen.

Sollte man dennoch Post von der Polizei bekommen, ist es ratsam, frühzeitig einen Rechtsanwalt zu beauftragen, damit der Fall erst gar nicht zu Gericht muss. Sollten Sie hierbei kompetente Hilfe benötigen, können Sie sich gerne an mich wenden.





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