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Delikt

Urkundenfälschung nach § 267 StGB: Vorwurf, Strafe und Verteidigung

Dr. Heiko LöwFachanwalt für Strafrecht · Stand Oktober 2026 ·

Urkundenfälschung nach § 267 StGB begeht, wer zur Täuschung im Rechtsverkehr eine unechte Urkunde herstellt, eine echte verfälscht oder eine unechte oder verfälschte Urkunde gebraucht. Die Strafe beträgt Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe, in besonders schweren Fällen sechs Monate bis zehn Jahre. Unecht ist eine Urkunde, wenn sie nicht von dem stammt, der als Aussteller erscheint; eine inhaltlich falsche Erklärung des wahren Ausstellers ist dagegen in der Regel keine Urkundenfälschung.

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Urkundendelikte: die Vorschriften im Überblick

Urkundenfälschung (§ 267 Abs. 1 StGB)Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe, Versuch strafbar
Besonders schwerer Fall (§ 267 Abs. 3 StGB)sechs Monate bis zehn Jahre, etwa bei Gewerbsmäßigkeit oder großer Zahl gefälschter Urkunden
Gewerbsmäßig als Bande (§ 267 Abs. 4 StGB)ein Jahr bis zehn Jahre, Verbrechen
Fälschung technischer Aufzeichnungen (§ 268 StGB)Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe
Missbrauch von Ausweispapieren (§ 281 StGB)Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe
Gebrauch unrichtiger Gesundheitszeugnisse (§ 279 StGB)Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe
Verjährung (§ 78 Abs. 3 StGB)§ 267 Abs. 1: fünf Jahre; Abs. 4: zehn Jahre; §§ 279, 281: drei Jahre

Was ist eine Urkunde im Sinne des Strafrechts?

Eine Urkunde ist eine verkörperte Gedankenerklärung, die zum Beweis im Rechtsverkehr geeignet und bestimmt ist und ihren Aussteller erkennen lässt. Dazu gehören Verträge, Quittungen, Zeugnisse, Atteste, Rezepte, Ausweise, Überweisungsträger und Kontoauszüge, aber auch Preisschilder an der Ware oder ein amtliches Kennzeichen am Fahrzeug. Auch eine Erklärung ohne Unterschrift kann Urkunde sein, wenn der Aussteller aus ihr hervorgeht.

Eine einfache Fotokopie ist nach der Rechtsprechung keine Urkunde, weil sie erkennbar nur eine Abbildung ist. Wer eine Kopie manipuliert, begeht deshalb nicht ohne Weiteres eine Urkundenfälschung. Strafbar ist aber, wer eine gefälschte Originalurkunde in Kopie vorlegt, denn darin liegt ein Gebrauch der Fälschung. Digitale Dokumente sind keine Urkunden im engeren Sinn. Für sie gilt die Fälschung beweiserheblicher Daten nach § 269 StGB, die auf der Seite Fälschung digitaler Daten erklärt ist.

Wann ist eine Urkunde unecht und wann nur inhaltlich falsch?

Eine Urkunde ist unecht, wenn sie den Anschein erweckt, von jemand anderem zu stammen als von dem, der sie tatsächlich erstellt hat. § 267 StGB schützt das Vertrauen in die Identität des Ausstellers, nicht in die Wahrheit des Inhalts. Diese Unterscheidung entscheidet viele Verfahren.

BeispielUrkundenfälschung?Begründung
Unterschrift des Vermieters unter eine Mietbescheinigung setzenjaAussteller wird vorgetäuscht
Eigene Rechnung mit falschem Betrag ausstellennein, aber oft BetrugAussteller ist echt, nur der Inhalt falsch
Datum auf einem echten Attest ändernja, Verfälschungnachträgliche Änderung einer echten Urkunde
Mit Einverständnis für den Ehepartner unterschreibenin der Regel neinErklärung stammt geistig vom Namensträger, außer bei eigenhändig zu leistenden Unterschriften
Falsche Angaben, die eine Behörde beurkundetnein, aber § 271 StGBmittelbare Falschbeurkundung

Wer eigene Unterlagen mit falschem Inhalt einreicht, kann sich trotzdem strafbar machen, etwa wegen Betrugs, Subventionsbetrugs oder falscher Versicherung an Eides statt. Die Einordnung hat aber Folgen für den Strafrahmen und für die Frage, ob der Vorwurf überhaupt trägt.

Welche Fälle der Urkundenfälschung sind typisch?

In der Praxis betreffen die meisten Verfahren Alltagsdokumente, die für einen bestimmten Vorteil vorgelegt wurden:

  • Atteste und Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen, die verändert oder selbst erstellt wurden, gegenüber Arbeitgeber, Schule oder Hochschule.
  • Gehaltsnachweise, Arbeitsverträge und Mietschuldenfreiheitsbescheinigungen für Wohnungsbewerbungen oder Kredite.
  • Zeugnisse und Abschlüsse, etwa ein nachgebauter Hochschulabschluss bei einer Bewerbung.
  • Rezepte für verschreibungspflichtige Medikamente.
  • Unterschriften unter Verträge, Vollmachten oder Einverständniserklärungen.
  • Fahrzeugkennzeichen und TÜV-Plaketten, die an ein anderes Fahrzeug montiert oder nachgemacht werden.

Oft kommt ein zweiter Vorwurf hinzu. Wer mit einem gefälschten Gehaltsnachweis einen Kredit erhält, begeht zugleich Betrug. Wer gefälschte Unterlagen bei einer Behörde vorlegt, um Leistungen zu erhalten, siehe Sozialleistungsbetrug.

Was gilt bei gefälschten Impfpässen und Gesundheitszeugnissen?

Gefälschte Impfausweise und Testnachweise werden nach den Sondervorschriften der §§ 275, 277 bis 279 StGB verfolgt, die im November 2021 erweitert wurden. Wer einen Impfausweis mit einer nicht erfolgten Impfung ausfüllt oder einen solchen Ausweis verschafft, verwahrt oder weitergibt, wird nach § 275 Abs. 1a StGB mit bis zu zwei Jahren bestraft. Wer ein unrichtiges Gesundheitszeugnis gebraucht, etwa gegenüber dem Arbeitgeber oder in einer Apotheke, nach § 279 StGB mit bis zu einem Jahr. Ärzte, die unrichtige Zeugnisse ausstellen, fallen unter § 278 StGB.

Wurden dabei Stempel oder Unterschrift eines Arztes oder Impfzentrums nachgemacht, ist der Ausweis zugleich eine unechte Urkunde. Dann greift § 267 StGB mit dem höheren Strafrahmen; die §§ 277 und 279 StGB treten nach ihrem Wortlaut hinter schwerere Vorschriften des Abschnitts zurück. Zahlreiche Verfahren aus der Pandemiezeit sind inzwischen abgeschlossen; Taten aus 2021 und 2022 nach § 279 StGB sind wegen der dreijährigen Verjährungsfrist häufig verjährt, sofern die Verjährung nicht unterbrochen wurde. Ob das zutrifft, lässt sich nur anhand der Akte und der Unterbrechungshandlungen nach § 78c StGB prüfen.

Welche Strafe droht bei Urkundenfälschung?

Bei einer einzelnen Tat ohne Vorstrafen und ohne größeren Schaden kommen häufig eine Einstellung gegen Auflage oder eine Geldstrafe in Betracht. Der Strafrahmen reicht bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe. Bei der Bemessung zählen Art und Bedeutung der Urkunde, der verfolgte Zweck, ein eingetretener Schaden und das Verhalten nach der Tat.

Härter wird es bei Serien und organisierten Strukturen. Ein besonders schwerer Fall liegt in der Regel vor, wenn jemand gewerbsmäßig oder als Bandenmitglied handelt, einen Vermögensverlust großen Ausmaßes herbeiführt oder durch eine große Zahl von Fälschungen die Sicherheit des Rechtsverkehrs erheblich gefährdet (§ 267 Abs. 3 StGB). Wer als Mitglied einer Bande, die Betrug oder Urkundenfälschung fortgesetzt begehen will, gewerbsmäßig fälscht, begeht ein Verbrechen mit einem bis zehn Jahren (§ 267 Abs. 4 StGB). Eine Verurteilung bis 90 Tagessätze steht bei Ersttätern nicht im Führungszeugnis, siehe Ab wann ist man vorbestraft?

Wie sollten Sie auf den Vorwurf der Urkundenfälschung reagieren?

Geben Sie keine Erklärung ab, solange Sie nicht wissen, welche Urkunde konkret beanstandet wird und welche Beweise vorliegen. Nach einer Anzeige des Arbeitgebers, der Hausverwaltung oder einer Behörde wird oft zunächst ein Anhörungsbogen verschickt. Angaben zur Sache sind dort freiwillig; eine vorschnelle Entschuldigung wird als Geständnis gewertet.

  1. Originale und Entwürfe nicht vernichten. Das kann als Beweisvereitelung gewertet werden.
  2. Keinen Kontakt zu Personen aufnehmen, deren Unterschrift betroffen ist, um sie um eine nachträgliche Bestätigung zu bitten.
  3. Akteneinsicht über den Verteidiger nehmen, um zu klären, ob überhaupt eine unechte Urkunde vorliegt.

Wie Sie mit einem Anhörungsbogen umgehen, erklärt die Seite Anhörungsbogen.

Wie verteidigt Dr. Löw bei Urkundendelikten?

Die Verteidigung beginnt mit der rechtlichen Einordnung. Viele Vorwürfe scheitern daran, dass keine Urkunde im Rechtssinn vorliegt, dass nur der Inhalt falsch war oder dass der Namensträger einverstanden war. Danach geht es um den Nachweis: Wer hat die Urkunde erstellt, wer hat sie vorgelegt, und gibt es Schriftgutachten oder Metadaten, die belastbar sind?

Je nach Ergebnis strebt Dr. Löw eine Einstellung nach § 170 Abs. 2 StPO, eine Einstellung wegen Geringfügigkeit oder gegen Auflage nach §§ 153, 153a StPO oder eine Beschränkung auf den milderen Tatbestand an. Gerade bei Berufstätigen und Studierenden ist das Ziel häufig, eine Eintragung zu vermeiden. Mehr zu den Wegen der Einstellung steht unter Einstellung des Strafverfahrens.

Häufige Fragen

Ist es Urkundenfälschung, für jemanden mit seinem Einverständnis zu unterschreiben?

In der Regel nicht, weil die Erklärung dann geistig vom Namensträger stammt. Anders ist es, wenn das Gesetz oder der Empfänger eine eigenhändige Unterschrift verlangt, etwa bei Prüfungsleistungen oder bestimmten behördlichen Erklärungen.

Ist eine bearbeitete PDF-Datei eine Urkundenfälschung?

Nicht nach § 267 StGB, weil Dateien keine verkörperten Urkunden sind. In Betracht kommt aber die Fälschung beweiserheblicher Daten nach § 269 StGB, die genauso bestraft wird.

Wird Urkundenfälschung auch ohne Schaden bestraft?

Ja. Es genügt, dass die Urkunde zur Täuschung im Rechtsverkehr hergestellt oder gebraucht wird. Ein Schaden ist nicht erforderlich, wirkt sich aber auf die Strafhöhe aus.

Ist schon der Versuch strafbar?

Ja, § 267 Abs. 2 StGB stellt den Versuch unter Strafe. Strafbar ist bereits das Herstellen einer unechten Urkunde zur Täuschung, auch wenn sie nie vorgelegt wurde.

Wann verjährt eine Urkundenfälschung?

Nach fünf Jahren, bei gewerbsmäßiger Bandenbegehung nach zehn Jahren. Die Frist beginnt mit Beendigung der Tat und wird durch Ermittlungshandlungen wie die erste Vernehmung unterbrochen (§ 78c StGB).

Was droht bei einem gefälschten Attest für den Arbeitgeber?

Neben dem Strafverfahren wegen Urkundenfälschung oder Gebrauchs eines unrichtigen Gesundheitszeugnisses droht arbeitsrechtlich häufig eine Kündigung. Wurde Lohnfortzahlung erschlichen, kommt Betrug hinzu.

Dieser Text erklärt die allgemeine Rechtslage (Stand Oktober 2026, zuletzt geprüft am 5. Oktober 2026) und ersetzt keine Beratung im Einzelfall. Fachbegriffe erklärt das Glossar. Fragen zur Zusammenarbeit beantworten die häufigen Fragen.

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