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Illegales Glücksspiel im Internet

Online-Glücksspiel ohne Erlaubnis: Ermittlungen gegen Spieler und Anbieter

Dr. Heiko LöwFachanwalt für Strafrecht · Stand Oktober 2026 ·

Wer sich an öffentlichem Glücksspiel ohne behördliche Erlaubnis beteiligt, kann sich nach § 285 StGB strafbar machen (bis zu sechs Monate Freiheitsstrafe oder Geldstrafe bis 180 Tagessätze). Anbietern droht nach § 284 StGB bis zu zwei Jahre, gewerbsmäßig bis zu fünf Jahre. Seit dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 sind Online-Casino, virtuelle Automatenspiele und Online-Poker nur mit deutscher Erlaubnis zulässig. Ermittlungen gegen Spieler beginnen oft mit einer Verdachtsmeldung der Bank nach einer Gewinnauszahlung.

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Illegales Online-Glücksspiel: Vorschriften und Strafrahmen im Überblick

Veranstalten ohne Erlaubnis (§ 284 Abs. 1 StGB)Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder Geldstrafe
Gewerbs- oder bandenmäßig (§ 284 Abs. 3 StGB)Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren
Werbung (§ 284 Abs. 4, § 287 Abs. 2 StGB)Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe
Teilnahme als Spieler (§ 285 StGB)Freiheitsstrafe bis zu sechs Monaten oder Geldstrafe bis zu 180 Tagessätzen
Erlaubnis im Internet (§ 4 Abs. 1, 4 GlüStV 2021)nur für Lotterien, Sport- und Pferdewetten, Online-Casinospiele, virtuelle Automatenspiele und Online-Poker mit deutscher Erlaubnis
Verjährung (§ 78 Abs. 3 StGB)§ 284 Abs. 1 und 3, § 287 Abs. 1: fünf Jahre; § 284 Abs. 4 und § 285: drei Jahre

Kann die Teilnahme an Online-Glücksspiel strafbar sein?

Ja. Spielen auf Plattformen wie Lottohelden.de, die als schwarze Lotterien gelten, weil sie ohne behördliche Erlaubnis agieren, kann zu polizeilichen Ermittlungen wegen illegalen Glücksspiels führen. Insbesondere nach einer Gewinnauszahlung kann die Bank den Gewinn melden, was polizeiliche Ermittlungen nach sich zieht. Im schlimmsten Fall kann die Teilnahme an illegalem Glücksspiel mit Freiheits- oder Geldstrafe geahndet werden.

Dr. Löw kennt aus seiner Zeit im Sonderdezernat für Cybercrime, wie solche Verfahren aus Bank- und Zahlungsdaten entstehen. Wir verteidigen Spieler ebenso wie Betreiber und Vermittler.

Diese Seite gibt einen Überblick über die Rechtslage und behandelt vor allem Betreiber und Werbende. Was Sie als Spieler nach einer Bankmeldung oder einer Vorladung konkret tun sollten, erklären wir unter Online-Casino-Gewinn: Bin ich als Spieler strafbar?.

Was regeln §§ 284, 285 und 287 StGB?

VorschriftWerStrafrahmen
§ 284 StGBVeranstalter von öffentlichem Glücksspiel ohne Erlaubnisbis zwei Jahre oder Geldstrafe, gewerbs- oder bandenmäßig drei Monate bis fünf Jahre
§ 284 Abs. 4 StGBWerbung für unerlaubtes Glücksspielbis ein Jahr oder Geldstrafe
§ 285 StGBSpieler, die sich an unerlaubtem öffentlichem Glücksspiel beteiligenbis sechs Monate oder Geldstrafe bis 180 Tagessätze
§ 287 StGBVeranstalter einer Lotterie oder Ausspielung ohne Erlaubnisbis zwei Jahre oder Geldstrafe

Für Lotterien enthält das Gesetz keine eigene Strafvorschrift für Teilnehmer. Ob die Teilnahme an einer nicht erlaubten Lotterie überhaupt unter § 285 StGB fällt, ist deshalb umstritten. Das ist bei Zweitlotterien ein wichtiger Ansatz für die Verteidigung.

Welche Online-Angebote sind seit dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 erlaubt?

Seit dem 01.07.2021 können Anbieter in Deutschland eine Erlaubnis für Online-Casinospiele, virtuelle Automatenspiele und Online-Poker erhalten, ebenso für Sportwetten und den Vertrieb von Lotterien. Ohne diese Erlaubnis bleibt das Angebot unerlaubt, auch wenn der Anbieter eine Lizenz aus Malta, Curaçao oder Gibraltar vorweist. Welche Anbieter eine deutsche Erlaubnis haben, veröffentlicht die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder in einer amtlichen Liste. Der Glücksspielstaatsvertrag verbietet zudem die Mitwirkung an Zahlungen für unerlaubtes Glücksspiel. Deshalb fallen solche Zahlungen Banken und Zahlungsdiensten besonders auf.

Dabei unterscheidet der Glücksspielstaatsvertrag 2021: Erlaubnisse für virtuelle Automatenspiele, Online-Poker und Sportwetten erteilt eine Behörde mit Wirkung für alle Länder (§ 9a GlüStV 2021), heute die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder. Online-Casinospiele im engeren Sinn, also virtuelle Bankhalterspiele wie Roulette oder Black Jack, darf dagegen jedes Land nur für sein eigenes Gebiet selbst veranstalten oder über eine begrenzte Zahl von Konzessionen zulassen (§ 22c GlüStV 2021). Virtuelle Automatenspiele, die solche Tischspiele nachbilden, sind unzulässig (§ 22a Abs. 2 GlüStV 2021).

Welche Strafen drohen Betreibern von Online-Glücksspiel?

Wer ohne deutsche Erlaubnis öffentlich ein Glücksspiel veranstaltet, hält oder die Einrichtungen dafür bereitstellt, macht sich nach § 284 Abs. 1 StGB strafbar; die Strafe beträgt bis zu zwei Jahre Freiheitsstrafe oder Geldstrafe. Wer dabei gewerbsmäßig oder als Mitglied einer Bande handelt, wird mit drei Monaten bis fünf Jahren bestraft (§ 284 Abs. 3 StGB). Öffentlich ist ein Glücksspiel, wenn ein größerer, nicht geschlossener Personenkreis teilnehmen kann (§ 3 Abs. 2 GlüStV 2021). Bei einer frei zugänglichen Internetseite ist das regelmäßig der Fall.

Neben dem Strafverfahren stehen Maßnahmen der Glücksspielaufsicht. Sie kann das Angebot und die Werbung dafür untersagen, Banken und Zahlungsdiensten die Mitwirkung an Ein- und Auszahlungen verbieten und unter weiteren Voraussetzungen Sperren gegen Zugangsanbieter anordnen (§ 9 Abs. 1 GlüStV 2021). Erlöse aus dem unerlaubten Angebot unterliegen zudem der Einziehung, die durch einen Vermögensarrest schon im Ermittlungsverfahren gesichert werden kann. Laufen die Einnahmen über Konten Dritter, prüfen die Ermittler häufig auch den Vorwurf der Geldwäsche.

Ist Werbung für Online-Casinos ohne deutsche Erlaubnis strafbar?

Ja. Wer für ein unerlaubtes öffentliches Glücksspiel wirbt, macht sich nach § 284 Abs. 4 StGB strafbar, die Strafe beträgt bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe oder Geldstrafe. Für Lotterien und Ausspielungen ohne Erlaubnis gilt § 287 Abs. 2 StGB mit demselben Strafrahmen. Der Glücksspielstaatsvertrag verbietet Werbung und Sponsoring für unerlaubte Glücksspiele zusätzlich ausdrücklich (§ 5 Abs. 7 GlüStV 2021).

Betroffen sein können nicht nur Werbeagenturen, sondern auch Betreiber von Vergleichsseiten mit Affiliate-Links sowie Streamer und Influencer, die bezahlt für Casino-Angebote werben. Entscheidend ist, ob für ein konkretes Angebot ohne deutsche Erlaubnis geworben wurde und ob der Werbende den fehlenden Erlaubnisstatus kannte oder zumindest für möglich hielt. Auch bei erlaubten Angeboten gelten Grenzen: Für Internetwerbung, etwa über Affiliate-Links, darf bei Glücksspielen mit Spielersperre keine umsatz-, einzahlungs- oder einsatzabhängige Vergütung vereinbart werden (§ 5 Abs. 6 GlüStV 2021).

Warum meldet die Bank meinen Gewinn?

Banken sind nach dem Geldwäschegesetz verpflichtet, verdächtige Transaktionen an die Zentralstelle für Finanztransaktionsuntersuchungen zu melden (§ 43 GwG). Eine hohe Gutschrift von einem Glücksspielanbieter ohne deutsche Erlaubnis ist ein typischer Auslöser. Die Meldung geht an die Staatsanwaltschaft, die ein Verfahren wegen § 285 StGB und gelegentlich wegen Geldwäsche einleitet. Manche Banken kündigen zusätzlich die Geschäftsbeziehung. Was bei einer Kontosperre zu tun ist, erläutern wir unter Geldwäsche.

Was droht neben der Strafe?

Gewinne aus einer Straftat können eingezogen werden (§§ 73, 73c StGB). Bei Spielern stellt sich dann die Frage, ob nur der Nettogewinn oder auch zurückgeflossene Einsätze erfasst sind. Hier lohnt sich eine genaue Prüfung, denn das Gesetz erlaubt den Abzug von Aufwendungen nur eingeschränkt (§ 73d StGB). Mehr dazu unter Einziehung und Vermögensarrest.

Wie verteidigt man sich gegen den Vorwurf des illegalen Glücksspiels?

Äußern Sie sich zunächst nicht und lassen Sie Akteneinsicht nehmen. Danach prüfen wir, ob das Angebot zum Spielzeitpunkt tatsächlich ohne Erlaubnis war, ob es sich um öffentliches Glücksspiel im Sinne des § 284 StGB handelte, ob bei Lotterien § 285 StGB überhaupt greift und ob Ihnen der fehlende Erlaubnisstatus bewusst sein musste. Gerade bei Plattformen mit deutschsprachigem Auftritt und Werbung kann das für Spieler schwer erkennbar sein. Je nach Lage kommt eine Einstellung ohne Hauptverhandlung in Betracht.

Fragen zu diesem Thema

Häufige Fragen

Ist Online-Casino in Deutschland illegal?

Nicht generell. Seit Juli 2021 können Anbieter eine deutsche Erlaubnis für Online-Casinospiele, virtuelle Automaten und Online-Poker erhalten. Unerlaubt ist das Spiel bei Anbietern ohne diese Erlaubnis.

Mache ich mich als Spieler strafbar, wenn der Anbieter keine Lizenz hat?

Das ist möglich, § 285 StGB stellt die Beteiligung an unerlaubtem öffentlichem Glücksspiel unter Strafe. Voraussetzung ist unter anderem Vorsatz, also dass Sie den fehlenden Erlaubnisstatus zumindest für möglich hielten.

Ich habe eine Vorladung nach einem Gewinn bekommen. Was soll ich tun?

Keine Angaben zur Sache machen und Akteneinsicht beantragen lassen. Erst danach lässt sich beurteilen, worauf der Vorwurf gestützt wird und ob sich eine Stellungnahme lohnt.

Kann der Gewinn eingezogen werden?

Ja, Erlöse aus einer Straftat unterliegen grundsätzlich der Einziehung. Wie hoch der einzuziehende Betrag ist, hängt von der Berechnung ab und ist häufig angreifbar.

Woran erkenne ich, ob ein Anbieter erlaubt ist?

Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder führt eine amtliche Liste der in Deutschland erlaubten Anbieter. Eine ausländische Lizenz allein genügt nicht.

Ist es strafbar, für ein Online-Casino ohne deutsche Lizenz zu werben?

Ja, Werbung für unerlaubtes öffentliches Glücksspiel ist nach § 284 Abs. 4 StGB mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe bedroht. Das kann auch Affiliate-Seiten, Streamer und Influencer betreffen. Voraussetzung ist, dass der Werbende den fehlenden Erlaubnisstatus kannte oder zumindest für möglich hielt.

Wann verjährt illegales Glücksspiel?

Die Beteiligung als Spieler nach § 285 StGB verjährt nach drei Jahren, das Veranstalten ohne Erlaubnis nach § 284 Abs. 1 StGB nach fünf Jahren (§ 78 Abs. 3 StGB). Die Frist beginnt mit der Beendigung der Tat und wird durch Ermittlungshandlungen wie eine Vernehmung unterbrochen.

Dieser Text erklärt die allgemeine Rechtslage (Stand Oktober 2026, zuletzt geprüft am 5. Oktober 2026) und ersetzt keine Beratung im Einzelfall. Fachbegriffe erklärt das Glossar. Fragen zur Zusammenarbeit beantworten die häufigen Fragen.

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