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IT-Strafrecht

Warenbetrug im Internet: Vorwurf, Strafe und Verteidigung bei Kleinanzeigen und eBay

Dr. Heiko LöwFachanwalt für Strafrecht · Stand Oktober 2026 ·

Online-Warenbetrug ist ein Betrug nach § 263 StGB, bei dem ein Verkäufer Geld für Ware kassiert, die er nie liefern wollte, oder ein Käufer Ware bestellt, die er nie bezahlen wollte. Die Strafe reicht von Geldstrafe bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe, bei gewerbsmäßigem Handeln von sechs Monaten bis zu zehn Jahren. Entscheidend ist, ob die Absicht, nicht zu leisten, schon beim Vertragsschluss bestand; eine geplatzte Lieferung allein ist noch kein Betrug.

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Online-Warenbetrug: die Vorschriften im Überblick

Betrug (§ 263 Abs. 1 StGB)Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe, Versuch strafbar
Besonders schwerer Fall (§ 263 Abs. 3 StGB)sechs Monate bis zehn Jahre, in der Regel bei Gewerbsmäßigkeit oder Vermögensverlust großen Ausmaßes
Gewerbsmäßiger Bandenbetrug (§ 263 Abs. 5 StGB)ein Jahr bis zehn Jahre, Verbrechen
Geringwertiger Schaden (§ 263 Abs. 4, § 248a StGB)Verfolgung nur auf Strafantrag, außer bei besonderem öffentlichem Interesse
Verjährung (§ 78 Abs. 3 StGB)fünf Jahre; bei § 263 Abs. 5 zehn Jahre
Typische BegleitvorwürfeFälschung beweiserheblicher Daten (§ 269 StGB), Geldwäsche (§ 261 StGB), Computerbetrug (§ 263a StGB)

Wann ist ein Verkauf auf Kleinanzeigen oder eBay Betrug?

Ein Verkauf ist Betrug, wenn der Verkäufer schon beim Vertragsschluss nicht vorhatte zu liefern und den Käufer darüber täuscht. Die Täuschung liegt im stillschweigenden Versprechen, die bezahlte Ware zu schicken. Daraus folgen Irrtum, Zahlung und Schaden, wie § 263 StGB sie voraussetzt. Umgekehrt betrügt ein Käufer, der Ware bestellt, ohne zahlen zu wollen oder zu können, etwa beim Kauf auf Rechnung unter falschem Namen.

Kein Betrug ist der bloße Vertragsbruch. Wer verkauft, die Ware dann beschädigt vorfindet, krank wird oder schlicht vergisst zu versenden, hat beim Vertragsschluss nicht getäuscht. Auch Streit über den Zustand gebrauchter Ware, über Versandverluste oder über zu späte Lieferung gehört grundsätzlich vor das Zivilgericht. Weil die Ermittler den inneren Willen nicht sehen, schließen sie aus Indizien darauf: viele gleichartige Anzeigen, sofortige Kontosperren, neue Accounts unter wechselnden Namen. Wer nur einen einzigen Streitfall hat, steht deshalb meist deutlich besser da. Hilfreich sind Belege aus der Zeit des Verkaufs, etwa Fotos der Ware, ein Kaufbeleg oder eine Versandmarke, die zeigen, dass Sie liefern konnten und wollten.

Welche Fallgruppen landen bei der Polizei?

Die meisten Verfahren betreffen vier wiederkehrende Konstellationen:

KonstellationVorwurfTypischer Ansatz der Verteidigung
Vorkasse für Ware, die nie verschickt wirdBetrug nach § 263 StGBLieferabsicht belegen, Rückzahlung, Abgrenzung zum Vertragsbruch
Bestellung auf Rechnung unter fremdem NamenBetrug, oft mit § 269 StGBZuordnung von Account, IP-Adresse und Lieferadresse prüfen
Konto oder Account wurde von Dritten genutztBetrug oder GeldwäscheFehlende eigene Täuschung, Zugriff Dritter dokumentieren
Viele Anzeigen in kurzer Zeitgewerbsmäßiger Betrug, § 263 Abs. 3 StGBGewerbsmäßigkeit und Zahl der nachweisbaren Taten angreifen

Ausgangspunkt der Ermittlungen ist fast immer das Empfängerkonto der Zahlung. Banken und Zahlungsdienste wie PayPal geben die Inhaberdaten auf Anfrage heraus, Plattformen liefern Account- und Login-Daten. Der Kontoinhaber ist deshalb zuerst verdächtig, auch wenn er die Anzeige gar nicht geschaltet hat.

Was gilt, wenn Dritte Ihr Konto oder Ihren Account benutzt haben?

Wer weder getäuscht noch das Geld behalten hat, begeht keinen Betrug, auch wenn die Zahlung auf seinem Konto einging. Betrüger nutzen gezielt fremde Konten und gehackte Accounts, um ihre Spuren zu verwischen. Für den Inhaber stellt sich dann aber eine andere Frage: Hat er das Konto bewusst überlassen oder das weitergeleitete Geld leichtfertig angenommen? Dann steht der Vorwurf der Geldwäsche im Raum. Die typischen Abläufe erklärt der Ratgeber Konto zur Verfügung gestellt.

Wurde Ihr Kleinanzeigen- oder eBay-Konto übernommen, sichern Sie die Benachrichtigungen über Passwortänderungen, neue Geräte und Login-Orte und melden Sie den Vorfall der Plattform. Diese Belege sind oft das stärkste Argument dafür, dass ein Dritter gehandelt hat. Wer sich ohne Berechtigung Zugang zu Ihrem Account verschafft hat, macht sich seinerseits nach § 202a StGB strafbar.

Welche Strafe droht bei Online-Warenbetrug?

Bei einem Ersttäter mit einem oder wenigen Fällen und überschaubarem Schaden kommen in der Regel eine Einstellung gegen Auflage oder eine Geldstrafe in Betracht. Das Gesetz sieht für Betrug Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe vor. Die konkrete Strafe hängt von der Schadenshöhe, der Zahl der Geschädigten, Vorstrafen und davon ab, ob der Schaden ausgeglichen wurde.

Deutlich ernster wird es, wenn die Staatsanwaltschaft Gewerbsmäßigkeit annimmt. Gewerbsmäßig handelt, wer sich durch wiederholte Taten eine fortlaufende Einnahmequelle von einigem Umfang verschaffen will. Das ist ein Regelbeispiel des besonders schweren Falls mit sechs Monaten bis zehn Jahren (§ 263 Abs. 3 Satz 2 Nr. 1 StGB). Arbeiten mindestens drei Personen arbeitsteilig, etwa Anzeigenschalter, Kontoinhaber und Abheber, kann sogar gewerbsmäßiger Bandenbetrug nach § 263 Abs. 5 StGB vorliegen, ein Verbrechen. Was das bedeutet, erklärt der Ratgeber Bandenbetrug.

Hilft es, das Geld zurückzuzahlen?

Ja, die Rückzahlung an den Käufer ist in Warenbetrugsverfahren oft der wichtigste Schritt zu einer Einstellung. Sie beseitigt den Betrug zwar nicht rückwirkend, weil die Tat mit der Zahlung des Käufers vollendet war. Die Staatsanwaltschaft kann aber nach § 153a Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 StPO von der Anklage absehen, wenn der Schaden wiedergutgemacht wird, und das Gericht kann die Strafe nach § 46a StGB mildern. Ist der Anspruch des Geschädigten durch Zahlung erloschen, entfällt insoweit auch die Einziehung (§ 73e StGB).

Zahlen Sie trotzdem nicht unüberlegt mit einer Nachricht wie „Sorry, hier ist dein Geld“. Solche Nachrichten werden als Geständnis gelesen. Besser ist eine Rückzahlung über die Verteidigung, die zugleich festhält, dass sie ohne Anerkennung einer Schuld erfolgt. Einzelheiten stehen im Ratgeber Schadenswiedergutmachung.

Was tun bei einer Vorladung wegen Betrugs als Beschuldigter?

Gehen Sie nicht zur Vernehmung und machen Sie keine Angaben zur Sache, bevor Ihr Verteidiger die Akte kennt. Eine Pflicht zum Erscheinen bei der Polizei besteht für Beschuldigte nicht (§ 163a Abs. 4 StPO). Warenbetrugsverfahren werden häufig schriftlich über einen Anhörungsbogen geführt. Auch dort genügen die Angaben zur Person.

  1. Belege sichern: Chatverlauf mit dem Käufer, Versandbelege, Fotos der Ware, Kontoauszüge, Benachrichtigungen der Plattform.
  2. Keine Rechtfertigung im Chat: Nachrichten an den Anzeigeerstatter landen in der Akte.
  3. Akteneinsicht abwarten: Erst dann ist klar, ob es um einen oder um zwanzig Fälle geht.

Ausführliche Hinweise stehen unter Vorladung der Polizei. Sind Sie nur als Zeuge geladen, etwa weil über Ihr Konto gezahlt wurde, gelten andere Regeln, die unter Vorladung als Zeuge erklärt sind.

Wie verteidigt Dr. Löw bei Vorwürfen des Online-Warenbetrugs?

Dr. Löw prüft zuerst, ob die Ermittler die Tat Ihnen überhaupt sicher zuordnen können. Account, Telefonnummer, Lieferadresse, IP-Adresse und Empfängerkonto ergeben oft kein geschlossenes Bild. Als ehemaliger Staatsanwalt im Sonderdezernat für Datenschutz und Cybercrime kennt er, welche Daten Plattformen und Banken liefern und wo die Zuordnung Lücken hat.

Danach geht es um die Frage der Täuschung bei Vertragsschluss, um die Zahl der nachweisbaren Fälle und um die Gewerbsmäßigkeit. Je nach Lage wird eine Einstellung nach § 170 Abs. 2 StPO angestrebt oder eine Einstellung gegen Rückzahlung nach § 153a StPO vorbereitet. Kommt es zur Anklage, verteidigt Dr. Löw in der Hauptverhandlung. Allgemeine Informationen zum Tatbestand finden Sie auf der Seite Betrug.

Häufige Fragen

Ist es Betrug, wenn ich Ware nicht verschicken konnte?

Nicht automatisch. Betrug setzt voraus, dass Sie schon beim Verkauf nicht liefern wollten. Konnten Sie später aus anderen Gründen nicht liefern, ist das ein zivilrechtliches Problem, das Sie durch Rückzahlung lösen sollten.

Wird ein Betrug unter 50 Euro überhaupt verfolgt?

Bei geringwertigen Schäden ist ein Strafantrag nötig, es sei denn, die Staatsanwaltschaft bejaht ein besonderes öffentliches Interesse (§ 263 Abs. 4, § 248a StGB). Eine feste Euro-Grenze steht nicht im Gesetz. Bei mehreren Fällen wird meist trotzdem ermittelt.

Woher hat die Polizei meine Daten?

In der Regel aus Auskünften der Bank oder des Zahlungsdienstes zum Empfängerkonto und von der Plattform zum Account. Teilweise werden auch Telefonnummern und IP-Adressen abgefragt.

Muss ich zur Vorladung wegen Betrugs gehen?

Als Beschuldigter bei der Polizei nicht. Bei einer Ladung zur Staatsanwaltschaft oder zum Gericht besteht eine Pflicht zu erscheinen, aber auch dort kein Zwang, zur Sache auszusagen.

Bin ich nach einem Warenbetrug vorbestraft?

Nur bei einer Verurteilung durch Urteil oder Strafbefehl. Eine Einstellung nach § 153a StPO gegen Rückzahlung ist keine Vorstrafe und wird nicht ins Bundeszentralregister eingetragen.

Was passiert, wenn mehrere Käufer Anzeige erstattet haben?

Die Verfahren werden meist zusammengeführt. Viele gleichartige Fälle sprechen aus Sicht der Ermittler für Gewerbsmäßigkeit, was den Strafrahmen deutlich erhöht. Umso wichtiger ist die genaue Prüfung jedes einzelnen Falls.

Dieser Text erklärt die allgemeine Rechtslage (Stand Oktober 2026, zuletzt geprüft am 5. Oktober 2026) und ersetzt keine Beratung im Einzelfall. Fachbegriffe erklärt das Glossar. Fragen zur Zusammenarbeit beantworten die häufigen Fragen.

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