Wer Geld aus fremden Überweisungen in Bitcoin oder andere Kryptowerte umtauscht und weiterleitet, kann sich wegen Geldwäsche nach § 261 StGB strafbar machen, bei Leichtfertigkeit mit bis zu zwei Jahren, bei Vorsatz mit bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe. Das betrifft häufig Menschen, die selbst von Betrügern angeworben oder getäuscht wurden, etwa über falsche Jobangebote, Trading-Plattformen oder Peer-to-Peer-Börsen. Zusätzlich droht die Einziehung der umgesetzten Beträge.
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Krypto-Transaktionen im Strafverfahren: die Eckdaten
| Geldwäsche (§ 261 Abs. 1 StGB) | Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe; Kryptowerte sind Gegenstände im Sinne der Vorschrift |
|---|---|
| Leichtfertige Geldwäsche (§ 261 Abs. 6 StGB) | Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder Geldstrafe |
| Gewerbs- oder bandenmäßig (§ 261 Abs. 5 StGB) | sechs Monate bis zehn Jahre |
| Mögliche Vortaten | Betrug (§ 263 StGB), Computerbetrug (§ 263a StGB), jede andere rechtswidrige Tat |
| Einziehung (§§ 73, 73c StGB) | Wallet-Guthaben oder Wertersatz in Euro |
| Verjährung (§ 78 Abs. 3 Nr. 4 StGB) | fünf Jahre bei § 261 Abs. 1 und 6 |
Wie wird man bei Krypto-Betrug selbst zum Beschuldigten?
Man wird zum Beschuldigten, wenn Geld aus einer fremden Straftat über das eigene Bankkonto oder die eigene Wallet läuft. Kryptowährungen sind für Betrüger attraktiv, weil sie Euro schnell in schwer zuordenbare Werte umwandeln wollen. Den Zwischenschritt über ein deutsches Bankkonto und eine regulierte Börse lassen sie aber gern von Dritten erledigen. Diese Dritten tauchen dann in den Ermittlungsakten als erste Namen auf.
Häufig sind die Betroffenen selbst Opfer einer Täuschung. Sie haben auf eine Stellenanzeige als „Payment Agent“ reagiert, wurden von einer angeblichen Trading-Plattform angeleitet, Gewinne „freizuschalten“, oder haben Bitcoin an einen Käufer verkauft, der mit gestohlenem Geld bezahlte. Strafrechtlich schützt sie das nicht automatisch. Es kommt darauf an, ob sie die kriminelle Herkunft kannten oder sie sich ihnen hätte aufdrängen müssen.
Welche Konstellationen sind typisch?
| Konstellation | Ablauf | Vorwurf |
|---|---|---|
| Krypto-Finanzagent | Überweisungen Fremder gehen auf Ihrem Konto ein, Sie kaufen Kryptowerte und senden sie an eine vorgegebene Adresse | Geldwäsche, oft leichtfertig |
| Peer-to-Peer-Verkauf | Sie verkaufen Bitcoin über eine P2P-Plattform, der Käufer zahlt per Überweisung aus einem gehackten Konto | zunächst Betrug oder Computerbetrug, bei Auffälligkeiten Geldwäsche |
| Gutscheine gegen Krypto | Sie kaufen stark rabattierte Gutscheincodes gegen Bitcoin, die mit gestohlenen Daten erzeugt wurden | Computerbetrug, Geldwäsche |
| Trading-Plattform | Sie haben selbst eingezahlt und sollen nun Geld anderer „Kunden“ weiterleiten | Geldwäsche, teils Beihilfe zum Betrug |
Wie schnell man ohne eigene Schuld in ein solches Verfahren gerät, zeigt ein Fall aus der Praxis von Dr. Löw: Eine Studentin hatte über die Plattform Paxful Gutscheincodes gegen Bitcoin gekauft, die der Verkäufer zuvor mit fremden Kontodaten erzeugt hatte. Nach der Erklärung der Plattform in der Hauptverhandlung beantragte die Staatsanwaltschaft Freispruch. Die Einzelheiten stehen im Beitrag Paxful: Was tun, wenn Sie wegen Betrugs beschuldigt werden?
Ist das Umtauschen in Bitcoin Geldwäsche?
Ja, das Umtauschen und Übertragen von Geld aus einer Straftat ist eine der Handlungen, die § 261 Abs. 1 Nr. 2 StGB ausdrücklich nennt, wenn es in der Absicht geschieht, die Herkunft zu verschleiern. Wer den Ursprung nicht kennt, kann über das Verschaffen und Verwahren (Nr. 3 und 4) oder über die Leichtfertigkeit (Abs. 6) erfasst werden. Dass der Tausch über eine legale Börse mit Identitätsprüfung lief, entlastet nicht. Er belegt nur, dass Ihr Name in den Unterlagen steht.
Eine Grenze zieht das Gesetz selbst: Für das Verschaffen und Verwahren gilt die Strafbarkeit nicht, wenn ein Dritter den Gegenstand zuvor erlangt hat, ohne dabei eine rechtswidrige Tat zu begehen (§ 261 Abs. 1 Satz 2 StGB). Wurden Kryptowerte also zwischenzeitlich von jemandem gutgläubig erworben, kann das die Kette unterbrechen. Ob das im Einzelfall trägt, zeigt erst die Auswertung der Transaktionen in der Akte.
Entscheidend ist deshalb wie bei jedem Geldwäschevorwurf die innere Seite. Hohe Provisionen, Überweisungen von unbekannten Privatpersonen, Anweisungen per Messenger und Zeitdruck sind die Umstände, aus denen Ermittler auf Leichtfertigkeit schließen. Wie Gerichte diese Grenze ziehen, erklärt der Ratgeber Leichtfertige Geldwäsche.
Wie verfolgen Ermittler Krypto-Transaktionen?
Ermittler verfolgen Krypto-Transaktionen über die öffentliche Blockchain und über Auskünfte der Handelsplattformen. Jede Bitcoin-Transaktion ist dauerhaft sichtbar; mit Analyse-Software lassen sich Wege von Wallet zu Wallet nachzeichnen. Den Namen hinter einer Adresse liefern meist die Börsen und Verwahrer, die nach dem Geldwäschegesetz Kunden identifizieren und Verdachtsfälle an die Financial Intelligence Unit melden müssen (§ 43 GwG).
Hinzu kommen die Bankdaten des Eingangskontos, Chatverläufe auf beschlagnahmten Telefonen und Daten der Plattformen. Aus Sicht der Verteidigung ist wichtig: Eine Blockchain-Analyse zeigt Geldflüsse, aber nicht, wer an einem Gerät saß und was er wusste. Annahmen über die Zuordnung von Wallets sind oft weniger sicher, als die Auswertung es darstellt. Dr. Löw kennt diese Auswertungen aus seiner Zeit im Sonderdezernat für Datenschutz und Cybercrime der Staatsanwaltschaft Mönchengladbach.
Was passiert mit Wallet und Guthaben?
Kryptowerte und Bankguthaben können schon im Ermittlungsverfahren gesichert und am Ende eingezogen werden. Gegenstände, die selbst aus der Tat stammen, werden beschlagnahmt; für Wertersatz kann ein Vermögensarrest in das gesamte Vermögen angeordnet werden (§ 111e StPO). Bei einer Durchsuchung werden Hardware-Wallets, Seed-Phrasen und Smartphones mitgenommen.
Verlangen Ermittler Zugangsdaten oder Seed-Phrasen, müssen Sie sie als Beschuldigter nicht herausgeben; niemand muss an seiner eigenen Überführung mitwirken. Ob und wie Sie kooperieren, sollte trotzdem mit dem Verteidiger entschieden werden, weil die Herausgabe bestimmter Werte die Einziehung begrenzen kann. Wie man gegen einen Arrest vorgeht, steht unter Einziehung und Vermögensarrest. Was bei einer Durchsuchung zu beachten ist, erklärt Hausdurchsuchung.
Was sollten Sie nach einer Vorladung wegen Krypto-Geldwäsche tun?
Schweigen Sie zur Sache und lassen Sie zuerst Akteneinsicht nehmen. Krypto-Verfahren hängen an technischen Details, die man ohne Akte nicht beurteilen kann: Welche Überweisungen werden Ihnen zugerechnet, welche Wallet-Adressen, welcher Zeitraum? Eine gut gemeinte Erklärung bei der Polizei legt Sie auf eine Version fest, bevor Sie wissen, was die Ermittler schon haben.
- Keine weiteren Transaktionen für Dritte, auch wenn die Auftraggeber drängen oder drohen.
- Daten sichern: Screenshots von Chats, Plattform-Accounts, Transaktions-IDs, E-Mails der Börse.
- Keine Rückbuchungen auf eigene Faust an angebliche Geschädigte, die sich melden. Auch das kann eine Masche sein.
- Verteidiger beauftragen, der Akteneinsicht nimmt und das weitere Vorgehen festlegt.
Allgemeine Hinweise zum Umgang mit Ladungen finden Sie unter Vorladung der Polizei.
Wie verteidigt Dr. Löw bei Krypto-Geldwäsche?
Die Verteidigung prüft drei Fragen: Ist die Vortat überhaupt festgestellt, sind die Transaktionen Ihnen sicher zuzuordnen, und war die Herkunft für Sie erkennbar? Häufig ergibt die Akte, dass Sie selbst getäuscht wurden und dass die Täter gezielt mit Verträgen, Plattformen und Vertrauensaufbau gearbeitet haben. Das kann Vorsatz und Leichtfertigkeit ausschließen.
Parallel geht es um die Einziehung. Wer nur eine kleine Provision behalten hat, soll nicht für den gesamten Umsatz einstehen, ohne dass das Gericht das sorgfältig prüft. Ziel ist, das Verfahren bereits im Ermittlungsverfahren zu beenden. Jedes Verfahren, das im Ermittlungsverfahren eingestellt wird und nicht vor Gericht geht, ist ein Sieg. Mehr zum Hintergrund finden Sie auf der Seite Geldwäsche und unter Computerbetrug.
Häufige Fragen
Ich wurde selbst betrogen und habe trotzdem eine Vorladung. Wie kann das sein?
Wenn über Ihr Konto oder Ihre Wallet Geld anderer Geschädigter gelaufen ist, prüfen die Ermittler, ob Sie Geldwäsche begangen haben. Dass Sie selbst getäuscht wurden, ist ein wichtiges Argument gegen Vorsatz und Leichtfertigkeit, muss aber belegt werden.
Ist Bitcoin-Handel über eine P2P-Plattform strafbar?
Nein, der Handel selbst ist erlaubt. Strafbar wird es, wenn Sie Geld annehmen oder weitergeben, das erkennbar aus einer Straftat stammt. Ungewöhnliche Zahlungswege, Drittzahler und deutliche Aufschläge auf den Marktpreis sind Warnsignale.
Muss ich der Polizei meine Seed-Phrase nennen?
Als Beschuldigter nicht. Niemand muss aktiv an seiner eigenen Überführung mitwirken. Ob eine Herausgabe dennoch sinnvoll ist, etwa um die Einziehung zu begrenzen, sollten Sie mit Ihrem Verteidiger entscheiden.
Können eingezogene Kryptowerte zurückgegeben werden?
Wird das Verfahren eingestellt oder werden Sie freigesprochen und fehlen die Voraussetzungen einer selbständigen Einziehung, sind gesicherte Werte freizugeben. Wird eingezogen, erhalten Geschädigte den Wert nach Rechtskraft (§ 459h StPO).
Welche Strafe droht bei Krypto-Geldwäsche ohne Vorstrafen?
Bei Leichtfertigkeit und überschaubaren Beträgen kommen eine Einstellung gegen Auflage oder eine Geldstrafe in Betracht. Bei Vorsatz, hohen Summen oder Bandenvorwurf drohen Freiheitsstrafen. Eine feste Strafe gibt es nicht.
Quellen
Dieser Text erklärt die allgemeine Rechtslage (Stand Oktober 2026, zuletzt geprüft am 5. Oktober 2026) und ersetzt keine Beratung im Einzelfall. Fachbegriffe erklärt das Glossar. Fragen zur Zusammenarbeit beantworten die häufigen Fragen.
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