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Geldwäsche

Leichtfertige Geldwäsche: Was bedeutet das und welche Strafe droht?

Dr. Heiko LöwFachanwalt für Strafrecht · Stand Oktober 2026 ·

Leichtfertige Geldwäsche nach § 261 Abs. 6 StGB begeht, wer Geld oder andere Gegenstände aus einer Straftat annimmt, verwahrt oder weiterleitet und dabei leichtfertig nicht erkennt, woher sie stammen. Die Strafe beträgt Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder Geldstrafe. Leichtfertig handelt nach der Rechtsprechung, wem sich die kriminelle Herkunft geradezu aufdrängen musste und wer dies aus grober Unachtsamkeit oder Gleichgültigkeit übersehen hat.

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Leichtfertige Geldwäsche: die Eckdaten

Vorschrift§ 261 Abs. 6 Satz 1 StGB in Verbindung mit Abs. 1 oder 2
StrafrahmenFreiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder Geldstrafe
Zum Vergleich: Vorsatz (§ 261 Abs. 1 StGB)Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe
DeliktsartVergehen, Einstellung nach §§ 153, 153a StPO möglich
Strafantragnicht erforderlich, Verfolgung von Amts wegen
Verjährung (§ 78 Abs. 3 Nr. 4 StGB)fünf Jahre
Einziehung (§§ 73 ff. StGB)auch bei Leichtfertigkeit möglich

Was bedeutet Leichtfertigkeit bei der Geldwäsche?

Leichtfertigkeit ist ein gesteigerter Grad von Fahrlässigkeit, vergleichbar der groben Fahrlässigkeit im Zivilrecht. Der Bundesgerichtshof verlangt dafür, dass sich die Herkunft des Geldes aus einer Straftat nach der Sachlage geradezu aufdrängt und der Täter das aus besonderer Gleichgültigkeit oder grober Unachtsamkeit außer Acht lässt (BGH, Urteil vom 17.07.1997, 1 StR 791/96). Einfache Unvorsichtigkeit genügt nicht.

Maßstab ist nicht ein besonders vorsichtiger Mensch, sondern das, was der Betroffene mit seinen Kenntnissen und Fähigkeiten hätte erkennen können. Ein Student ohne Bankerfahrung wird anders beurteilt als ein Kaufmann, der regelmäßig mit Zahlungsverkehr zu tun hat. Die Staatsanwaltschaft muss konkrete Umstände benennen, aus denen sich die Herkunft hätte aufdrängen müssen. Allgemeine Hinweise, dass man im Internet vorsichtig sein müsse, reichen dafür nicht aus.

Wann liegt Vorsatz vor und wann nur Leichtfertigkeit?

Vorsatz liegt vor, wenn der Täter die kriminelle Herkunft kennt oder sie zumindest für möglich hält und billigend in Kauf nimmt; bei Leichtfertigkeit hätte er sie erkennen müssen, hat es aber nicht. Die Grenze entscheidet über den Strafrahmen: bis fünf Jahre bei Vorsatz, bis zwei Jahre bei Leichtfertigkeit.

MerkmalVorsatz (§ 261 Abs. 1)Leichtfertigkeit (§ 261 Abs. 6)
Innere SeiteHerkunft erkannt oder billigend in Kauf genommenHerkunft nicht erkannt, obwohl sie sich aufdrängte
Typische IndizienChatnachrichten über „Kunden“, die betrogen werden; Wissen um frühere Kontosperrenunrealistisch hohe Provision, Überweisungen von Fremden, Anweisung zur Barabhebung
Strafrahmenbis fünf Jahre oder Geldstrafebis zwei Jahre oder Geldstrafe
Verjährungfünf Jahrefünf Jahre

Die Ermittlungsbehörden werfen häufig beides zugleich vor und lassen die Frage offen. Für die Verteidigung lohnt es sich, früh zu zeigen, dass jedenfalls kein Vorsatz nachweisbar ist. Das verbessert die Aussichten auf eine Einstellung erheblich.

Welche Strafe droht Ersttätern bei leichtfertiger Geldwäsche?

Ersttäter ohne Vorstrafen erhalten bei leichtfertiger Geldwäsche in vielen Fällen keine Freiheitsstrafe, sondern eine Einstellung gegen Auflage oder eine Geldstrafe. Das Gesetz lässt Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren zu, die konkrete Strafe richtet sich aber nach § 46 StGB: Höhe der durchgeleiteten Beträge, Zahl der Vorgänge, eigener Gewinn, Verhalten nach der Tat und persönliche Umstände.

Eine Geldstrafe wird in Tagessätzen bemessen. Bis zu 90 Tagessätzen erscheint sie nicht im einfachen Führungszeugnis, wenn keine weitere Strafe eingetragen ist (§ 32 Abs. 2 Nr. 5 BZRG). Was das für das Berufsleben bedeutet, erklärt der Ratgeber Ab wann ist man vorbestraft?. Unabhängig von der Strafe kann das Gericht die Einziehung der über das Konto geflossenen Beträge anordnen. Für viele Betroffene ist diese Summe die eigentliche Belastung.

Kann ein Verfahren wegen leichtfertiger Geldwäsche eingestellt werden?

Ja, leichtfertige Geldwäsche ist ein Vergehen, bei dem alle Formen der Einstellung offenstehen. Fehlt der Nachweis, dass das Geld aus einer bestimmten Straftat stammt oder dass sich diese Herkunft aufdrängen musste, ist das Verfahren nach § 170 Abs. 2 StPO einzustellen. Ist die Schuld gering, kommt § 153 StPO in Betracht, sonst eine Einstellung gegen Zahlung eines Geldbetrags oder gegen Wiedergutmachung nach § 153a StPO.

Eine Einstellung nach § 153a StPO ist keine Verurteilung und wird nicht ins Bundeszentralregister eingetragen. Wann sich das Angebot lohnt und welche Folgen es hat, steht im Ratgeber Einstellung des Strafverfahrens. Wer wiederholt auffällt oder hohe Beträge weitergeleitet hat, muss eher mit einem Strafbefehl rechnen.

Wie verteidigt man sich gegen den Vorwurf der Leichtfertigkeit?

Die Verteidigung setzt an der Frage an, was Sie zum Zeitpunkt der Überweisungen tatsächlich wussten und erkennen konnten. Dazu wertet Dr. Löw nach der Akteneinsicht die Nachrichten mit den Auftraggebern, die Anwerbung, die Höhe der Provision und den zeitlichen Ablauf aus. Oft zeigt sich, dass die Täter gezielt Vertrauen aufgebaut haben, etwa mit Arbeitsverträgen, Firmenwebsites oder angeblichen Gehaltsabrechnungen.

  • Vortat prüfen: Steht überhaupt fest, aus welcher Straftat welches Geld stammt?
  • Erkennbarkeit prüfen: Welche Warnsignale waren für Sie, nicht für einen Ermittler im Rückblick, sichtbar?
  • Einziehung begrenzen: Welcher Betrag ist Ihnen tatsächlich zugeflossen?

Wer sein Konto für einen angeblichen Job hergegeben hat, findet die typischen Abläufe im Ratgeber Konto zur Verfügung gestellt.

Häufige Fragen

Ist leichtfertige Geldwäsche eine Vorstrafe?

Nur wenn es zu einer Verurteilung durch Urteil oder Strafbefehl kommt. Eine Einstellung nach § 153 oder § 153a StPO ist keine Vorstrafe. Eine Geldstrafe bis 90 Tagessätze erscheint bei einer Erstverurteilung nicht im einfachen Führungszeugnis.

Kann man bei leichtfertiger Geldwäsche straffrei werden?

Ja, über § 261 Abs. 8 StGB, wenn die Tat freiwillig angezeigt wird, bevor sie entdeckt ist, und die Sicherstellung des Geldes bewirkt wird. Nach einer Kontosperre ist es dafür meist zu spät.

Wer muss die Leichtfertigkeit beweisen?

Die Staatsanwaltschaft. Sie muss Umstände darlegen, aus denen sich die kriminelle Herkunft für Sie geradezu aufdrängen musste. Zweifel gehen zugunsten des Beschuldigten.

Gilt leichtfertige Geldwäsche auch für Strafverteidiger?

Nein, für die Annahme eines Honorars nimmt § 261 Abs. 6 Satz 2 StGB Strafverteidiger ausdrücklich aus. Sie handeln nur bei sicherer Kenntnis der Herkunft vorsätzlich (§ 261 Abs. 1 Satz 3 StGB).

Wie lange dauert ein Verfahren wegen leichtfertiger Geldwäsche?

Meist mehrere Monate, weil die Ermittler zunächst die Vortat und die Zahlungsströme klären. Die Tat verjährt nach fünf Jahren, Ermittlungshandlungen unterbrechen die Verjährung aber.

Dieser Text erklärt die allgemeine Rechtslage (Stand Oktober 2026, zuletzt geprüft am 5. Oktober 2026) und ersetzt keine Beratung im Einzelfall. Fachbegriffe erklärt das Glossar. Fragen zur Zusammenarbeit beantworten die häufigen Fragen.

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