Rechtsanwaltskanzlei in Düsseldorf · Fachanwalt für Strafrecht
+49 211 17179062
Betrug

Bandenbetrug: Wann ist man Mitglied einer Bande und welche Strafe droht?

Dr. Heiko LöwFachanwalt für Strafrecht · Stand Oktober 2026 ·

Gewerbsmäßiger Bandenbetrug nach § 263 Abs. 5 StGB liegt vor, wenn jemand als Mitglied einer Bande, die sich zur fortgesetzten Begehung von Betrug oder Urkundenfälschung verbunden hat, gewerbsmäßig betrügt; die Strafe beträgt ein Jahr bis zehn Jahre Freiheitsstrafe für jede Tat. Eine Bande setzt nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs mindestens drei Personen voraus, die sich für eine gewisse Zeit zu solchen Taten zusammengeschlossen haben. Weil die Tat ein Verbrechen ist, scheidet eine Einstellung nach § 153 oder § 153a StPO aus, und die Verteidigung ist notwendig.

Fragen zu Ihrem Fall?+49 211 17179062Mo. bis Fr. 09:00 bis 18:00 UhrRückruf anfordern

Bandenbetrug: die rechtlichen Folgen

Gewerbsmäßiger Bandenbetrug (§ 263 Abs. 5 StGB)ein Jahr bis zehn Jahre; minder schwerer Fall sechs Monate bis fünf Jahre
Nur Bande oder nur Gewerbsmäßigkeit (§ 263 Abs. 3 Satz 2 Nr. 1 StGB)Regelbeispiel des besonders schweren Falls, sechs Monate bis zehn Jahre
Deliktsart (§ 12 Abs. 1 StGB)Verbrechen, keine Einstellung nach §§ 153, 153a StPO
Notwendige Verteidigung (§ 140 Abs. 1 Nr. 2 StPO)ja, Pflichtverteidiger frei wählbar
Verjährung (§ 78 Abs. 3 Nr. 3 StGB)zehn Jahre
Gilt entsprechend fürComputerbetrug (§ 263a Abs. 2), Subventionsbetrug (§ 264 Abs. 3), Urkundenfälschung (§ 267 Abs. 4)

Wann bin ich Mitglied einer Bande?

Mitglied einer Bande ist, wer sich mit mindestens zwei anderen Personen verbunden hat, um für eine gewisse Dauer mehrere selbständige, im Einzelnen noch ungewisse Taten zu begehen. Entscheidend ist diese Absprache, die Bandenabrede. Sie muss nicht ausdrücklich getroffen werden, sondern kann sich aus dem Verhalten ergeben. Eine feste Organisation, einen Chef oder regelmäßige Treffen braucht es nicht. Die Mitglieder müssen sich nicht einmal alle persönlich kennen.

Auch die Rolle ist grundsätzlich gleichgültig. Wer nur Konten bereitstellt, Pakete annimmt oder Geld abholt, kann ebenso Bandenmitglied sein wie derjenige, der die Taten plant. Das macht den Vorwurf in arbeitsteiligen Betrugsmodellen so gefährlich. Dr. Löw hat diese Fragen am Beispiel eines Verfahrens um Corona-Soforthilfen vor dem Landgericht Düsseldorf im Beitrag Wann bin ich Mitglied einer Bande? erläutert.

Was ist der Unterschied zwischen Bande, Mittäterschaft und Beihilfe?

Mittäter begehen eine konkrete Tat gemeinsam, Gehilfen unterstützen eine fremde Tat, Bandenmitglieder haben sich darüber hinaus für künftige Taten verbunden. Die Bande ist also kein dritter Beteiligungsweg, sondern ein zusätzliches Merkmal, das den Strafrahmen verschärft. Ein Bandenmitglied kann im Einzelfall Täter oder nur Gehilfe sein.

BegriffKernFolge
Mittäterschaft (§ 25 Abs. 2 StGB)gemeinsamer Tatplan für eine Tat, arbeitsteilige Ausführungjeder wird als Täter bestraft
Beihilfe (§ 27 StGB)Hilfe zu einer fremden TatStrafe zwingend gemildert
BandenmitgliedschaftAbrede von mindestens drei Personen für fortgesetzte Tatenerhöhter Strafrahmen, bei Gewerbsmäßigkeit Verbrechen

Keine Bande liegt vor, wenn mehrere Personen nur in einer eingespielten Liefer- oder Abnehmerbeziehung zueinander stehen und jeder seine eigenen Interessen verfolgt. Der Bundesgerichtshof hat diese Abgrenzung für eingespielte Liefer- und Abnehmerbeziehungen betont (Beschluss vom 22.09.2021, 1 StR 131/21, ergangen zum Betäubungsmittelhandel); sie gilt für den Bandenbegriff allgemein. An dieser Grenze setzt die Verteidigung häufig an.

Warum ist Bandenbetrug ein Verbrechen und was folgt daraus?

Bandenbetrug nach § 263 Abs. 5 StGB ist ein Verbrechen, weil die Mindeststrafe ein Jahr Freiheitsstrafe beträgt (§ 12 Abs. 1 StGB). Diese Einordnung hat weitreichende Folgen für das ganze Verfahren:

  • Keine Einstellung nach §§ 153, 153a StPO, auch nicht gegen Zahlung. Möglich bleiben die Einstellung mangels Tatverdachts (§ 170 Abs. 2 StPO) und die Beschränkung auf einzelne Taten (§§ 154, 154a StPO).
  • Kein Strafbefehl, weil dieser nur bei Vergehen zulässig ist. Es kommt zur Anklage, meist vor dem Schöffengericht oder dem Landgericht.
  • Notwendige Verteidigung nach § 140 Abs. 1 Nr. 2 StPO. Sie dürfen den Pflichtverteidiger selbst benennen.
  • Höhere Haftgefahr, weil die Straferwartung Fluchtanreize begründet. Mehr unter Untersuchungshaft.
  • Zehn Jahre Verjährung statt fünf.

Welche Strafe droht bei gewerbsmäßigem Bandenbetrug?

Für jede einzelne Tat droht mindestens ein Jahr Freiheitsstrafe, im minder schweren Fall mindestens sechs Monate. Bei mehreren Taten bildet das Gericht eine Gesamtstrafe, die über der höchsten Einzelstrafe, aber unter der Summe liegt. Eine Freiheitsstrafe kann nur bis zu zwei Jahren zur Bewährung ausgesetzt werden (§ 56 StGB). Bei vielen Taten ist es daher entscheidend, wie viele dem Einzelnen sicher nachgewiesen werden und ob ein minder schwerer Fall in Betracht kommt.

Für einen minder schweren Fall sprechen etwa eine untergeordnete Rolle, geringer eigener Gewinn, ein frühes Geständnis, Aufklärungshilfe (§ 46b StGB) und eine Wiedergutmachung, siehe Schadenswiedergutmachung. Neben der Strafe steht die Einziehung des Erlangten.

Wie verteidigt man sich gegen den Bandenvorwurf?

Die Verteidigung prüft, ob eine Bandenabrede wirklich nachweisbar ist oder nur aus dem äußeren Ablauf geschlossen wird. Dass mehrere Personen an einem Betrugsmodell beteiligt waren, beweist noch nicht, dass jeder Einzelne sich mit den anderen auf eine fortgesetzte Begehung geeinigt hat. Wer nur einmalig angeworben wurde, die anderen nicht kannte und keinen Anteil an der Beute hatte, wird oft zu Unrecht als Bandenmitglied angeklagt.

Fällt der Bandenvorwurf weg, bleibt meist ein Vergehen. Damit öffnet sich wieder der Weg zu einer Einstellung gegen Auflage oder einer Geldstrafe. Dr. Löw kennt diese Verfahren aus beiden Perspektiven, als Staatsanwalt und als Verteidiger. Verwandte Konstellationen behandeln die Seiten Fake-Shop und Phishing.

Häufige Fragen

Reichen zwei Personen für eine Bande?

Nein. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs braucht eine Bande mindestens drei Personen. Bei zwei Personen kann aber Mittäterschaft vorliegen und Gewerbsmäßigkeit den Strafrahmen erhöhen.

Kann ein Bandenbetrug gegen Geldauflage eingestellt werden?

Nicht nach § 153a StPO, weil gewerbsmäßiger Bandenbetrug ein Verbrechen ist. Eine Einstellung mangels Tatverdachts oder eine Beschränkung auf einzelne Taten bleibt möglich.

Bekomme ich bei einem Bandenvorwurf einen Pflichtverteidiger?

Ja, bei einem Verbrechensvorwurf liegt ein Fall der notwendigen Verteidigung vor. Sie können einen Verteidiger Ihres Vertrauens benennen, der dann beigeordnet wird.

Gibt es bei Bandenbetrug Bewährung?

Nur wenn die Gesamtstrafe zwei Jahre nicht übersteigt und die Voraussetzungen des § 56 StGB vorliegen. Bei wenigen nachweisbaren Taten und einem minder schweren Fall ist das möglich.

Wann verjährt gewerbsmäßiger Bandenbetrug?

Nach zehn Jahren ab Beendigung der Tat. Ermittlungshandlungen unterbrechen die Verjährung, nach zwanzig Jahren tritt absolute Verjährung ein.

Dieser Text erklärt die allgemeine Rechtslage (Stand Oktober 2026, zuletzt geprüft am 5. Oktober 2026) und ersetzt keine Beratung im Einzelfall. Fachbegriffe erklärt das Glossar. Fragen zur Zusammenarbeit beantworten die häufigen Fragen.

Rückruf oder Nachricht

Vorwurf des Bandenbetrugs? Sagen Sie nichts zur Sache und lassen Sie früh klären, ob die Bandenabrede überhaupt belegt ist.

+49 211 17179062

Ihre Nachricht unterliegt der anwaltlichen Verschwiegenheit. Ein Mandat kommt erst durch ausdrückliche Vereinbarung zustande.

AnrufenRückruf