Post von der Staatsanwaltschaft bedeutet, dass ein Ermittlungs- oder Vollstreckungsverfahren läuft, in dem Sie Beschuldigter, Zeuge, Verletzter oder Verurteilter sind; welche Rolle Sie haben und ob eine Frist läuft, ergibt sich aus Aktenzeichen und Inhalt des Schreibens. Fristgebunden sind vor allem Strafbefehl und Urteil (Einspruch und Rechtsmittel binnen zwei Wochen bzw. einer Woche), Anklageschrift und Anhörungsschreiben setzen meist eine Frist zur Stellungnahme. Äußern Sie sich als Beschuldigter nicht zur Sache, bevor ein Verteidiger die Akte eingesehen hat.
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Welches Schreiben welche Frist auslöst
| Anhörung oder Aufforderung zur Äußerung (§ 163a Abs. 1 StPO) | gesetzlich keine Frist, die gesetzte Frist sollte aber über einen Verteidiger gewahrt werden |
|---|---|
| Ladung als Beschuldigter (§ 163a Abs. 3 StPO) | Pflicht zum Erscheinen, keine Pflicht zur Aussage |
| Ladung als Zeuge (§ 161a StPO) | Pflicht zum Erscheinen und zur Aussage, Verweigerungsrechte bleiben |
| Anklageschrift vom Gericht (§ 201 StPO) | vom Gericht bestimmte Frist für Einwendungen und Beweisanträge |
| Strafbefehl vom Gericht (§ 410 StPO) | Einspruch binnen zwei Wochen ab Zustellung |
| Einstellungsnachricht (§ 170 Abs. 2 StPO) | keine Frist; Verfahren beendet, kann aber bei neuen Erkenntnissen wieder aufgenommen werden |
| Ladung zum Strafantritt oder Zahlungsaufforderung (Vollstreckung) | in der Ladung bzw. Aufforderung gesetzte Frist; Anträge auf Aufschub oder Raten vorher stellen |
Welche Briefe verschickt die Staatsanwaltschaft?
Die Staatsanwaltschaft verschickt im Wesentlichen fünf Arten von Schreiben: Anhörungen, Ladungen, Nachrichten über die Einstellung, Anfragen zu einer Einstellung gegen Auflage und Schreiben in der Strafvollstreckung. Anklageschrift und Strafbefehl kommen dagegen vom Gericht, auch wenn die Staatsanwaltschaft sie verfasst oder beantragt hat. Die folgende Übersicht hilft bei der Einordnung:
| Schreiben | Absender | Was es bedeutet |
|---|---|---|
| Gelegenheit zur Äußerung als Beschuldigter | Staatsanwaltschaft oder Polizei | Gegen Sie wird ermittelt; vor dem Abschluss soll Ihnen rechtliches Gehör gegeben werden (§ 163a Abs. 1 StPO). |
| Ladung zur Vernehmung | Staatsanwaltschaft | Als Beschuldigter müssen Sie erscheinen, aber nicht aussagen (§ 163a Abs. 3 StPO); als Zeuge müssen Sie erscheinen und aussagen (§ 161a StPO). |
| Anfrage zur Einstellung gegen Auflage | Staatsanwaltschaft | Das Verfahren soll gegen Zahlung eines Geldbetrags oder eine andere Auflage enden (§ 153a StPO); Ihre Zustimmung ist nötig. |
| Einstellungsnachricht | Staatsanwaltschaft | Das Verfahren ist eingestellt, etwa mangels Tatverdachts (§ 170 Abs. 2 StPO) oder wegen Geringfügigkeit (§ 153 StPO). |
| Anklageschrift | Gericht | Die Staatsanwaltschaft hat angeklagt; das Gericht prüft, ob es das Hauptverfahren eröffnet (§ 201 StPO). |
| Strafbefehl | Gericht | Eine Verurteilung ohne Verhandlung, die rechtskräftig wird, wenn Sie nicht binnen zwei Wochen Einspruch einlegen (§ 410 StPO). |
| Zahlungsaufforderung, Ladung zum Strafantritt | Staatsanwaltschaft als Vollstreckungsbehörde | Ein Urteil oder Strafbefehl ist rechtskräftig und wird vollstreckt. |
Daneben schreibt die Staatsanwaltschaft Verletzte an, etwa mit der Nachricht über eine Einstellung und einer Belehrung über die Beschwerde, oder fordert Unterlagen bei Unternehmen und Banken an.
Woran erkenne ich, ob ich Beschuldigter oder Zeuge bin?
Ihre Rolle steht in der Regel im ersten Absatz des Schreibens: „Ermittlungsverfahren gegen Sie“ oder „in dem Ermittlungsverfahren gegen …, in dem Sie als Zeuge vernommen werden sollen“. Hilfreich ist auch das Aktenzeichen. Bei der Staatsanwaltschaft tragen Verfahren gegen bekannte Beschuldigte das Kürzel „Js“, Verfahren gegen Unbekannt „UJs“, Vollstreckungssachen „VRs“. Beim Amtsgericht steht „Cs“ für Strafbefehlsverfahren, „Ds“ für Verfahren vor dem Strafrichter und „Ls“ für das Schöffengericht.
Vorsicht ist geboten, wenn Sie als Zeuge angeschrieben werden, die Fragen sich aber auf Ihr eigenes Verhalten beziehen, etwa auf ein Konto, über das Geld geflossen ist, oder auf einen Account, der auf Ihren Namen läuft. Dann kann sich der Verdacht schnell gegen Sie richten. Was in dieser Lage gilt, erklärt die Seite Vorladung als Zeuge.
Was bedeutet ein gelber Brief der Staatsanwaltschaft?
Ein gelber Umschlag bedeutet eine förmliche Zustellung: Der Zusteller vermerkt auf dem Umschlag das Datum, an dem er das Schreiben übergeben oder in Ihren Briefkasten gelegt hat, und mit diesem Tag gilt es als zugestellt (§ 37 Abs. 1 StPO in Verbindung mit § 180 ZPO). Ob Sie den Brief erst Tage später öffnen, spielt für den Fristbeginn keine Rolle. Förmlich zugestellt werden vor allem Schriftstücke, die eine Frist in Gang setzen: Strafbefehle, Anklageschriften, Urteile, Ladungen zur Hauptverhandlung.
Heben Sie den Umschlag deshalb unbedingt auf. Er ist der Nachweis für das Zustelldatum und damit für die Berechnung der Frist. Ein normaler weißer Brief enthält meist Anhörungen, Einstellungsnachrichten oder Anfragen, bei denen keine gesetzliche Frist läuft. Auch dann kann es aber eilig sein, etwa wenn die Staatsanwaltschaft für eine Stellungnahme eine Frist gesetzt hat, nach der sie entscheiden will.
Was soll ich als Erstes tun, wenn ich Post von der Staatsanwaltschaft bekomme?
Als Erstes sichern Sie das Zustelldatum und lesen, ob eine Frist läuft; danach handeln Sie über einen Verteidiger, nicht selbst. Bewährt hat sich diese Reihenfolge:
- Umschlag aufheben, Zustelldatum notieren und eine etwaige Frist im Kalender eintragen.
- Aktenzeichen, Absender und Ihre Rolle (Beschuldigter, Zeuge, Verurteilter) feststellen.
- Nicht bei der Staatsanwaltschaft oder beim Anzeigeerstatter anrufen, um etwas zu erklären. Jede Äußerung kann in die Akte eingehen.
- Keine Formulare zur Sache ausfüllen, keine Chats löschen, keine Geräte entsorgen. Das Löschen von Beweismitteln kann neue Probleme schaffen.
- Einen Verteidiger beauftragen, der sich bei der Staatsanwaltschaft meldet und Akteneinsicht beantragt (§ 147 StPO).
- Nach der Akteneinsicht gemeinsam entscheiden, ob Sie schweigen, eine Stellungnahme abgeben oder auf eine Einstellung hinarbeiten.
Bei Strafbefehl und Urteil zählt jeder Tag: Der Einspruch gegen den Strafbefehl muss binnen zwei Wochen, Berufung oder Revision binnen einer Woche eingelegt sein. Mehr dazu unter Strafbefehl erhalten und Urteil erhalten.
Ist das Schreiben überhaupt echt?
Ein echtes Schreiben der Staatsanwaltschaft kommt per Post, nennt ein Aktenzeichen, einen Dezernenten oder eine Geschäftsstelle und fordert Sie niemals auf, Geld per Gutschein, Kryptowährung oder auf ein privates Konto zu überweisen. Immer wieder kursieren gefälschte E-Mails und Briefe, die angeblich von Polizei, Staatsanwaltschaft oder „Europol“ stammen und eine sofortige Zahlung verlangen. Die Staatsanwaltschaft verlangt Geld nur in zwei Fällen: als Auflage bei einer Einstellung nach § 153a StPO, der Sie vorher zugestimmt haben, und in der Vollstreckung einer rechtskräftigen Geldstrafe.
Wenn Sie zweifeln, rufen Sie die Staatsanwaltschaft unter der Nummer an, die auf ihrer amtlichen Website steht, nicht unter der Nummer aus dem Schreiben. Für die Staatsanwaltschaft Düsseldorf ist das die Seite sta-duesseldorf.nrw.de.
Was ist bei Post von der Staatsanwaltschaft Düsseldorf zu beachten?
Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf sitzt in der Fritz-Roeber-Straße 2, 40213 Düsseldorf, und ist für den Bezirk des Landgerichts Düsseldorf zuständig, also unter anderem für die Amtsgerichte Düsseldorf, Neuss, Ratingen und Langenfeld. Bei ihr sind außerdem landesweite Zentralstellen angesiedelt, etwa die Zentralstelle Organisierte Kriminalität (ZeOS NRW). Deshalb erhalten auch Menschen außerhalb Düsseldorfs Post aus der Fritz-Roeber-Straße. Anklagen in Düsseldorfer Verfahren gehen je nach Straferwartung an das Amtsgericht Düsseldorf oder das Landgericht Düsseldorf, beide in der Werdener Straße 1. Welche Gerichte im Umland zuständig sind, zeigt die Seite Gerichte in Düsseldorf.
Unsere Kanzlei liegt in der Klosterstraße 22 in Düsseldorf, nur wenige Minuten von der Staatsanwaltschaft entfernt. Wir verteidigen aber deutschlandweit; Akteneinsicht und Stellungnahmen laufen heute elektronisch, gleich welche Staatsanwaltschaft Ihnen geschrieben hat.
Fragen zu diesem Thema
Häufige Fragen
Wann kommt Post von der Staatsanwaltschaft nach einer Anzeige?
Das ist sehr unterschiedlich. Oft vergehen Wochen oder Monate, weil die Polizei zuerst ermittelt und die Akte dann an die Staatsanwaltschaft schickt. Manche Beschuldigte erfahren erst mit einem Strafbefehl oder einer Einstellungsnachricht von dem Verfahren.
Bekomme ich Bescheid, wenn das Verfahren eingestellt wird?
Bei einer Einstellung mangels Tatverdachts werden Sie benachrichtigt, wenn Sie als Beschuldigter vernommen wurden, ein Haftbefehl bestand, Sie um einen Bescheid gebeten haben oder ein besonderes Interesse ersichtlich ist (§ 170 Abs. 2 Satz 2 StPO). Ein Verteidiger kann die Nachricht ausdrücklich anfordern.
Muss ich auf ein Anhörungsschreiben der Staatsanwaltschaft antworten?
Nein. Als Beschuldigter müssen Sie sich nicht äußern. Es ist aber sinnvoll, über einen Verteidiger mitzuteilen, dass Sie zunächst Akteneinsicht wünschen, damit die Staatsanwaltschaft nicht ohne Ihre Sicht entscheidet.
Was bedeutet ein Schreiben mit der Frage, ob ich einer Einstellung zustimme?
Die Staatsanwaltschaft bietet eine Einstellung nach § 153a StPO gegen eine Auflage an, meist eine Geldzahlung. Sie sind danach nicht vorbestraft. Ob Zustimmen sinnvoll ist oder eine Einstellung ohne Auflage erreichbar wäre, sollte ein Verteidiger anhand der Akte prüfen.
Die Frist im Schreiben ist schon abgelaufen. Was jetzt?
Bei Fristen, die die Staatsanwaltschaft selbst gesetzt hat, kann ein Verteidiger fast immer noch Stellung nehmen. Bei gesetzlichen Fristen wie dem Einspruch gegen einen Strafbefehl kommt eine Wiedereinsetzung in Betracht, wenn Sie die Frist ohne Verschulden versäumt haben; der Antrag muss binnen einer Woche nach Wegfall des Hindernisses gestellt werden (§§ 44, 45 StPO).
Kann ich bei der Staatsanwaltschaft anrufen und fragen, worum es geht?
Sie können, sollten es als Beschuldigter aber nicht tun. Am Telefon gibt es keine Akteneinsicht, und was Sie sagen, kann vermerkt werden. Ihr Verteidiger erhält die vollständige Akte.
Quellen
- § 163a StPO (Vernehmung des Beschuldigten)
- § 170 StPO (Anklage oder Einstellung)
- § 201 StPO (Übermittlung der Anklageschrift)
- § 410 StPO (Einspruch gegen den Strafbefehl)
- § 37 StPO und § 180 ZPO (Zustellung, Ersatzzustellung)
- § 44 StPO (Wiedereinsetzung in den vorigen Stand)
- Staatsanwaltschaft Düsseldorf (Impressum, Anschrift)
Dieser Text erklärt die allgemeine Rechtslage (Stand Oktober 2026, zuletzt geprüft am 5. Oktober 2026) und ersetzt keine Beratung im Einzelfall. Fachbegriffe erklärt das Glossar. Fragen zur Zusammenarbeit beantworten die häufigen Fragen.
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