Die Höhe eines Tagessatzes richtet sich nach § 40 Abs. 2 StGB in der Regel nach dem Nettoeinkommen, das Sie durchschnittlich an einem Tag haben oder haben könnten; in der Praxis wird das monatliche Nettoeinkommen durch 30 geteilt. Ein Tagessatz beträgt mindestens 1 Euro und höchstens 30.000 Euro, die Geldstrafe insgesamt 5 bis 360 Tagessätze, und das Gericht muss Ihnen das zum Leben unerlässliche Minimum lassen.
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Geldstrafe in Tagessätzen: die gesetzlichen Eckdaten
| Zahl der Tagessätze (§ 40 Abs. 1 StGB) | mindestens 5, höchstens 360; bei einer Gesamtstrafe höchstens 720 (§ 54 Abs. 2 StGB) |
|---|---|
| Höhe eines Tagessatzes (§ 40 Abs. 2 StGB) | mindestens 1 Euro, höchstens 30.000 Euro |
| Berechnungsgrundlage | Nettoeinkommen pro Tag, das Sie haben oder haben könnten; üblich: Monatsnetto geteilt durch 30 |
| Existenzminimum (§ 40 Abs. 2 Satz 3 StGB) | das zum Leben unerlässliche Minimum muss verbleiben |
| Schätzung (§ 40 Abs. 3 StGB) | Einkünfte, Vermögen und andere Grundlagen dürfen geschätzt werden |
| Ersatzfreiheitsstrafe (§ 43 StGB) | zwei Tagessätze entsprechen einem Tag Haft |
Wie berechnet man einen Tagessatz?
Ein Tagessatz entspricht in der Regel dem Nettoeinkommen eines Tages, also dem monatlichen Nettoeinkommen geteilt durch 30. Das Gesetz nennt keine Formel, sondern verlangt, dass das Gericht die persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse berücksichtigt und dabei vom durchschnittlichen Nettoeinkommen eines Tages ausgeht (§ 40 Abs. 2 StGB). Die Division durch 30 ist die übliche Umsetzung dieser Regel.
Die Geldstrafe besteht immer aus zwei Zahlen, die im Urteil oder Strafbefehl getrennt angegeben werden (§ 40 Abs. 4 StGB). Die Zahl der Tagessätze bemisst sich nach der Schuld, also danach, wie schwer die Tat wiegt. Die Höhe des einzelnen Tagessatzes bemisst sich nach Ihrem Einkommen. Zwei Menschen, die dieselbe Tat begehen, bekommen deshalb oft gleich viele Tagessätze, zahlen aber sehr unterschiedliche Beträge. Rechnerisch gilt: Gesamtbetrag gleich Zahl der Tagessätze mal Tagessatzhöhe.
Welches Einkommen zählt und was wird abgezogen?
Maßgeblich ist das Nettoeinkommen aus allen Quellen, also Lohn oder Gehalt nach Steuern und Sozialabgaben, Gewinne aus Selbstständigkeit, Renten, Mieteinnahmen und Sozialleistungen. Auch Einkommen, das Sie zumutbar erzielen könnten, darf angesetzt werden, denn § 40 Abs. 2 StGB spricht vom Einkommen, das der Täter hat „oder haben könnte“. Wer eine gut bezahlte Stelle ohne Grund aufgibt, kann sich darauf also nicht berufen.
Abgezogen werden in der Praxis vor allem Unterhaltszahlungen an Kinder, Ehegatten oder frühere Partner, weil dieses Geld Ihnen nicht zur Verfügung steht. Außergewöhnliche Belastungen können berücksichtigt werden, wenn Sie sie belegen. Normale Lebenshaltungskosten wie Miete, Kredite für Konsum oder Versicherungen mindern das Nettoeinkommen dagegen grundsätzlich nicht. Vermögen spielt nur ausnahmsweise eine Rolle, kann aber in eine Schätzung einfließen (§ 40 Abs. 3 StGB).
Welche Beträge ergeben sich in typischen Fällen?
Die folgende Tabelle zeigt vereinfachte Rechenbeispiele. Sie ersetzen keine Berechnung im Einzelfall, weil Gerichte Abzüge und Besonderheiten unterschiedlich gewichten.
| Monatliches Nettoeinkommen | Abzug | Tagessatz | Beispiel Zahl | Geldstrafe gesamt |
|---|---|---|---|---|
| 750 Euro (Ausbildung) | keiner | 25 Euro | 20 Tagessätze | 500 Euro |
| 1.500 Euro | keiner | 50 Euro | 30 Tagessätze | 1.500 Euro |
| 2.400 Euro | keiner | 80 Euro | 60 Tagessätze | 4.800 Euro |
| 3.000 Euro | 450 Euro Kindesunterhalt | 85 Euro | 90 Tagessätze | 7.650 Euro |
| 6.000 Euro | keiner | 200 Euro | 40 Tagessätze | 8.000 Euro |
Das Beispiel mit 90 Tagessätzen zeigt, warum die Zahl wichtiger ist als der Betrag: Bis 90 Tagessätze erscheint eine erste Verurteilung nicht im Führungszeugnis, ab 91 schon. Mehr dazu im Ratgeber Ab wann ist man vorbestraft?.
Wie hoch ist der Tagessatz bei Bürgergeld oder ohne Einkommen?
Auch wer Bürgergeld oder eine vergleichbare Grundsicherung bezieht, erhält eine Geldstrafe in Tagessätzen; die Leistungen gelten als Einkommen. Seit der Reform des Sanktionenrechts schreibt § 40 Abs. 2 Satz 3 StGB aber ausdrücklich vor, dass dem Verurteilten mindestens das zum Leben unerlässliche Minimum seines Einkommens bleiben muss. Gerichte setzen den Tagessatz deshalb bei Grundsicherung häufig unter dem rechnerischen Dreißigstel des Regelbedarfs an. Eine feste Zahl dafür gibt das Gesetz nicht vor.
Ohne jedes Einkommen, etwa bei Studierenden, die von den Eltern unterstützt werden, wird auf Unterhalt und Sachleistungen abgestellt. Die Untergrenze liegt bei 1 Euro pro Tagessatz. Wer wenig hat, sollte dem Gericht seine Lage belegen, statt eine Schätzung abzuwarten. Ist die Strafe festgesetzt und können Sie nicht auf einmal zahlen, helfen Raten oder freie Arbeit; das erklärt die Seite Geldstrafe nicht zahlen können.
Was tun, wenn das Einkommen im Strafbefehl geschätzt wurde?
Wurde Ihr Einkommen geschätzt und ist der Tagessatz zu hoch, können Sie den Einspruch gegen den Strafbefehl auf die Tagessatzhöhe beschränken. Die Schätzung ist erlaubt (§ 40 Abs. 3 StGB), und sie kommt oft vor, wenn Beschuldigte von ihrem Schweigerecht Gebrauch gemacht haben oder nie vernommen wurden. Die Staatsanwaltschaft greift dann auf Angaben zum Beruf oder auf Erfahrungswerte zurück.
Ein beschränkter Einspruch ist ein vergleichsweise risikoarmer Weg. Stimmen Sie, Ihr Verteidiger und die Staatsanwaltschaft zu, kann das Gericht ohne Hauptverhandlung durch Beschluss entscheiden und darf dabei nicht zu Ihrem Nachteil abweichen (§ 411 Abs. 1 Satz 3 StPO). Wichtig ist die Frist von zwei Wochen ab Zustellung (§ 410 Abs. 1 StPO). Legen Sie Belege zu Einkommen und Unterhalt bei, also Gehaltsabrechnungen, Bescheide oder Unterhaltstitel.
Häufige Fragen
Wird mit dem Brutto- oder dem Nettoeinkommen gerechnet?
Mit dem Nettoeinkommen (§ 40 Abs. 2 Satz 2 StGB). Steuern und Sozialabgaben sind also schon abgezogen. Das monatliche Netto wird üblicherweise durch 30 geteilt.
Werden Miete und Kredite vom Einkommen abgezogen?
Grundsätzlich nicht, weil sie zur normalen Lebensführung gehören. Unterhaltszahlungen werden dagegen in der Regel abgezogen. Besondere Belastungen sollten Sie dem Gericht mit Belegen mitteilen.
Wie hoch ist ein Tagessatz bei Bürgergeld?
Das Gesetz nennt keinen festen Betrag. Das Gericht muss Ihnen das zum Leben unerlässliche Minimum lassen (§ 40 Abs. 2 Satz 3 StGB) und setzt den Tagessatz deshalb oft niedriger an als ein Dreißigstel der Leistungen. Die Untergrenze ist 1 Euro.
Kann ich nur gegen die Höhe des Tagessatzes Einspruch einlegen?
Ja. Der Einspruch gegen einen Strafbefehl kann auf die Tagessatzhöhe beschränkt werden (§ 410 Abs. 2 StPO). Mit Zustimmung aller Beteiligten entscheidet das Gericht dann ohne Verhandlung und ohne Verschlechterung.
Wie viele Tage Haft drohen, wenn ich die Geldstrafe nicht zahle?
Für zwei nicht bezahlte Tagessätze ein Tag Ersatzfreiheitsstrafe (§ 43 StGB). Bei 60 Tagessätzen wären das 30 Tage. Bevor es dazu kommt, gibt es Raten und freie Arbeit.
Quellen
Dieser Text erklärt die allgemeine Rechtslage (Stand Oktober 2026, zuletzt geprüft am 5. Oktober 2026) und ersetzt keine Beratung im Einzelfall. Fachbegriffe erklärt das Glossar. Fragen zur Zusammenarbeit beantworten die häufigen Fragen.
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