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Verkehrsstrafrecht: Wann ein Verkehrsverstoß zur Straftat wird

Dr. Heiko LöwFachanwalt für Strafrecht · Stand Oktober 2026 ·

Verkehrsstraftaten sind Verstöße im Straßenverkehr, die das Strafgesetzbuch oder das Straßenverkehrsgesetz mit Strafe bedroht, vor allem Trunkenheit im Verkehr (§ 316 StGB), Gefährdung des Straßenverkehrs (§ 315c StGB), unerlaubtes Entfernen vom Unfallort (§ 142 StGB), verbotene Kraftfahrzeugrennen (§ 315d StGB) und Fahren ohne Fahrerlaubnis (§ 21 StVG). Anders als bei einer Ordnungswidrigkeit drohen Geldstrafe oder Freiheitsstrafe, ein Eintrag im Bundeszentralregister und häufig die Entziehung der Fahrerlaubnis mit einer Sperre von mindestens sechs Monaten (§§ 69, 69a StGB). Die Grenze verläuft beim Alkohol in der Regel bei 1,1 Promille oder bei Ausfallerscheinungen ab 0,3 Promille.

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Die häufigsten Verkehrsstraftaten im Überblick

Trunkenheit im Verkehr (§ 316 StGB)Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe, auch fahrlässig
Gefährdung des Straßenverkehrs (§ 315c StGB)bis zu fünf Jahre oder Geldstrafe; fahrlässig bis zu zwei Jahre oder Geldstrafe
Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort (§ 142 StGB)Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe
Verbotene Kraftfahrzeugrennen (§ 315d StGB)bis zu zwei Jahre; mit Gefährdung bis zu fünf Jahre; mit Todesfolge ein bis zehn Jahre
Fahren ohne Fahrerlaubnis (§ 21 StVG)Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe; Einziehung des Fahrzeugs möglich
Fahrlässige Körperverletzung und Tötung (§§ 229, 222 StGB)bis zu drei bzw. fünf Jahre oder Geldstrafe
Entziehung der Fahrerlaubnis (§§ 69, 69a StGB)Regelfall bei §§ 315c, 315d, 316 und schwerer Unfallflucht; Sperre sechs Monate bis fünf Jahre
Fahrverbot (§ 44 StGB)ein bis sechs Monate, bei jeder Straftat möglich

Was unterscheidet eine Verkehrsstraftat von einer Ordnungswidrigkeit?

Eine Ordnungswidrigkeit wird mit Geldbuße, Punkten und gegebenenfalls einem Fahrverbot geahndet; eine Straftat mit Geldstrafe oder Freiheitsstrafe. Zu schnelles Fahren, Rotlichtverstöße oder Fahren mit 0,5 Promille sind Ordnungswidrigkeiten, über die die Bußgeldbehörde entscheidet. Bei einer Straftat ermitteln Polizei und Staatsanwaltschaft, und am Ende stehen Strafbefehl, Urteil oder Einstellung.

Die Grenze ist oft schmal. Dieselbe Fahrt mit 0,9 Promille ist eine Ordnungswidrigkeit nach § 24a StVG, wenn der Fahrer sicher fährt, aber eine Straftat nach § 316 StGB, wenn er in Schlangenlinien unterwegs war. Ein Spurwechsel mit knappem Abstand ist eine Ordnungswidrigkeit, kann aber zur Nötigung werden, wenn er gezielt zum Ausbremsen eingesetzt wird. Eine Geldstrafe im Strafverfahren ist eine Vorstrafe im Bundeszentralregister. Eine Geldbuße ist das nicht.

Welche Promillegrenzen gelten im Straßenverkehr?

Für Autofahrer gilt ab 0,5 Promille eine Ordnungswidrigkeit, ab 1,1 Promille eine Straftat. Dazwischen hängt es von Ausfallerscheinungen ab. Die Grenze von 1,1 Promille für die absolute Fahruntüchtigkeit von Kraftfahrern hat der Bundesgerichtshof 1990 festgelegt; sie gilt nach der Rechtsprechung auch für E-Scooter.

BlutalkoholKraftfahrzeugFahrrad
ab 0,0 PromilleVerbot für Fahranfänger und unter 21-Jährige (§ 24c StVG)kein Verbot
ab 0,3 Promille mit AusfallerscheinungenStraftat (relative Fahruntüchtigkeit)Straftat (relative Fahruntüchtigkeit)
ab 0,5 PromilleOrdnungswidrigkeit (§ 24a StVG)kein Bußgeldtatbestand
ab 1,1 PromilleStraftat ohne weitere Anzeichennur mit Ausfallerscheinungen
ab 1,6 PromilleStraftat, MPU (§ 13 FeV)Straftat nach Rechtsprechung, MPU

Ausführlich unter Trunkenheit im Verkehr und E-Scooter und Alkohol.

Was passiert bei einer Verkehrsstraftat mit dem Führerschein?

Bei vielen Verkehrsstraftaten entzieht das Gericht die Fahrerlaubnis, weil sich aus der Tat ergeben soll, dass der Fahrer ungeeignet ist (§ 69 StGB). Bei Trunkenheit, Gefährdung des Straßenverkehrs, verbotenen Rennen und Unfallflucht mit erheblichem Schaden ist das der gesetzliche Regelfall (§ 69 Abs. 2 StGB). Mit der Entziehung setzt das Gericht eine Sperre fest, vor deren Ablauf keine neue Fahrerlaubnis erteilt werden darf, mindestens sechs Monate, höchstens fünf Jahre, ausnahmsweise für immer (§ 69a StGB).

Schon im Ermittlungsverfahren kann der Führerschein beschlagnahmt und die Fahrerlaubnis vorläufig entzogen werden (§ 111a StPO); diese Zeit wird später auf die Sperre angerechnet. Ist die Fahrerlaubnis nicht zu entziehen, kann das Gericht ein Fahrverbot von einem bis sechs Monaten anordnen (§ 44 StGB). Seit 2017 ist das bei jeder Straftat möglich. Den Ablauf erklären die Ratgeber Führerschein im Strafverfahren und Fahrverbot bei Straftaten.

Welche Punkte gibt es für Verkehrsstraftaten in Flensburg?

Straftaten im Zusammenhang mit dem Straßenverkehr werden im Fahreignungsregister mit drei Punkten eingetragen, wenn das Gericht die Fahrerlaubnis entzieht oder eine Sperre anordnet, sonst mit zwei Punkten. Die Tilgungsfrist beträgt bei Eintragungen mit drei Punkten zehn Jahre, bei zwei Punkten fünf Jahre (§ 29 StVG). Wird die Fahrerlaubnis entzogen, beginnt die Tilgungsfrist erst mit der Neuerteilung.

Bei acht Punkten entzieht die Fahrerlaubnisbehörde die Fahrerlaubnis. Wer schon Punkte hat, sollte deshalb auch bei einem scheinbar kleinen Strafverfahren prüfen lassen, welche Eintragung droht. Eine Einstellung nach § 153 oder § 153a StPO führt zu keiner Eintragung.

Muss ich als Fahrer oder Halter Angaben machen?

Als Beschuldigter müssen Sie keine Angaben zur Sache machen, auch nicht dazu, wer gefahren ist (§ 136 Abs. 1, § 163a StPO). Das gilt für den Anhörungsbogen ebenso wie für die Befragung an der Unfallstelle. Wer als Halter oder Zeuge angeschrieben wird und damit einen Angehörigen belasten müsste, hat ein Zeugnisverweigerungsrecht (§ 52 StPO), wer sich selbst belasten würde, ein Auskunftsverweigerungsrecht (§ 55 StPO).

Pflicht sind die Angaben zur Person, an der Unfallstelle außerdem die Angaben, die § 142 StGB verlangt: Wer an einem Unfall beteiligt ist, muss seine Beteiligung ermöglichen festzustellen. Das heißt aber nicht, dass Sie erklären müssen, wie es zum Unfall kam. Ein Alkoholtest durch Pusten ist freiwillig, eine Blutprobe kann bei Verdacht einer Trunkenheitsfahrt ohne richterliche Anordnung entnommen werden (§ 81a Abs. 2 StPO).

Zahlt die Rechtsschutzversicherung bei Verkehrsstraftaten?

Eine Verkehrsrechtsschutzversicherung übernimmt in der Regel die Kosten der Verteidigung bei fahrlässig begangenen Verkehrsdelikten, etwa einer fahrlässigen Trunkenheitsfahrt oder einer fahrlässigen Körperverletzung bei einem Unfall. Bei Vorsatzdelikten wie der Unfallflucht oder dem Fahren ohne Fahrerlaubnis besteht häufig nur vorläufiger Schutz: Wird rechtskräftig wegen einer vorsätzlichen Tat verurteilt, kann die Versicherung die Kosten zurückfordern. Die genauen Bedingungen stehen im jeweiligen Vertrag.

Die Deckungsanfrage kann der Verteidiger bei der Versicherung stellen. Allgemeine Hinweise zu den Kosten der Verteidigung finden Sie unter Kosten eines Strafverteidigers.

Wie läuft ein Verkehrsstrafverfahren typischerweise ab?

Die meisten Verfahren beginnen mit einer Kontrolle oder einer Anzeige. Die Polizei nimmt den Sachverhalt auf, ordnet bei Verdacht auf Alkohol oder Drogen eine Blutprobe an und stellt bei schweren Vorwürfen den Führerschein sicher. Wochen später folgt ein Anhörungsbogen oder eine Vorladung. Die Staatsanwaltschaft entscheidet dann über Einstellung, Strafbefehl oder Anklage.

In Verkehrsstrafsachen ist der Strafbefehl der häufigste Abschluss. Er enthält meist eine Geldstrafe, bei vielen Delikten auch Entziehung und Sperre oder ein Fahrverbot. Gegen ihn kann innerhalb von zwei Wochen Einspruch eingelegt werden (§ 410 StPO), siehe Strafbefehl erhalten. Wie sich die Höhe der Geldstrafe berechnet, erklärt Tagessatz berechnen. Wer früh einen Verteidiger einschaltet, kann vor dem Strafbefehl mit der Staatsanwaltschaft über eine Einstellung oder mildere Rechtsfolgen sprechen.

Wie verteidigt Dr. Löw in Verkehrsstrafsachen?

Dr. Löw ist Fachanwalt für Strafrecht. In Verkehrsstrafsachen geht es selten um die Frage, ob überhaupt gefahren wurde, sondern um Messwerte, Zeitabläufe und die Folgen für den Führerschein. Er prüft die Blutprobe und ihre Rückrechnung, die Beschreibung der Ausfallerscheinungen, Zeugenaussagen und Videoaufnahmen und die Frage, ob der Vorwurf vorsätzlich oder nur fahrlässig ist.

Ziel ist häufig, die Entziehung der Fahrerlaubnis zu vermeiden oder die Sperre zu verkürzen, ein Fahrverbot statt einer Entziehung zu erreichen oder das Verfahren gegen Auflage einzustellen. Gerade bei Berufskraftfahrern und Menschen, die auf das Auto angewiesen sind, ist eine frühe Beratung wichtig, weil die vorläufige Entziehung schnell erfolgt. Ein bestimmtes Ergebnis kann kein Verteidiger versprechen.

Häufige Fragen

Ist eine Verkehrsstraftat eine Vorstrafe?

Ja, jede Verurteilung wird im Bundeszentralregister eingetragen. Ins Führungszeugnis kommt eine erste Geldstrafe bis 90 Tagessätze aber nicht, wenn keine weitere Strafe eingetragen ist (§ 32 Abs. 2 Nr. 5 BZRG).

Wird ein Verkehrsstrafverfahren oft per Strafbefehl erledigt?

Ja. Bei Trunkenheitsfahrten und Unfallfluchten ist der Strafbefehl häufig, oft mit Entziehung der Fahrerlaubnis und Sperre. Gegen ihn kann innerhalb von zwei Wochen Einspruch eingelegt werden (§ 410 StPO).

Kann ich meinen Führerschein behalten, wenn ich beruflich darauf angewiesen bin?

Berufliche Gründe allein verhindern eine Entziehung nicht. Das Gericht kann aber bestimmte Fahrzeugarten von der Sperre ausnehmen (§ 69a Abs. 2 StGB) und bei einem Fahrverbot persönliche Härten berücksichtigen.

Was ist, wenn ich nicht weiß, ob ich einen Unfall verursacht habe?

Strafbar ist nur, wer den Unfall bemerkt hat oder ihn hätte bemerken müssen und sich trotzdem entfernt. Wer erst später davon erfährt, sollte die Feststellungen unverzüglich nachträglich ermöglichen und sich vorher beraten lassen.

Gibt es bei Verkehrsstraftaten auch Freiheitsstrafen?

Ja, vor allem bei Wiederholungstätern, schweren Unfallfolgen oder verbotenen Rennen. Bei Ersttätern ist eine Geldstrafe die Regel, Freiheitsstrafen werden meist zur Bewährung ausgesetzt.

Dieser Text erklärt die allgemeine Rechtslage (Stand Oktober 2026, zuletzt geprüft am 5. Oktober 2026) und ersetzt keine Beratung im Einzelfall. Fachbegriffe erklärt das Glossar. Fragen zur Zusammenarbeit beantworten die häufigen Fragen.

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