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Delikt

Korruption: Bestechung, Vorteilsannahme und Bestechung im geschäftlichen Verkehr

Dr. Heiko LöwFachanwalt für Strafrecht · Stand Oktober 2026 ·

Korruption ist kein einzelner Straftatbestand, sondern umfasst vor allem die Vorteilsannahme und Bestechlichkeit von Amtsträgern (§§ 331, 332 StGB), die Vorteilsgewährung und Bestechung auf der Geberseite (§§ 333, 334 StGB) und die Bestechlichkeit und Bestechung im geschäftlichen Verkehr (§ 299 StGB). Die Strafrahmen reichen von Geldstrafe bis zu drei Jahren bei der Vorteilsannahme bis zu einem bis zehn Jahren in besonders schweren Fällen der Bestechlichkeit (§ 335 StGB). In Nordrhein-Westfalen führen Schwerpunktstaatsanwaltschaften die Verfahren, für den Bezirk des Oberlandesgerichts Düsseldorf die Staatsanwaltschaft Wuppertal.

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Korruptionsdelikte: die Strafrahmen

Vorteilsannahme (§ 331 Abs. 1 StGB)Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe; Vorteil für die Dienstausübung
Bestechlichkeit (§ 332 Abs. 1 StGB)sechs Monate bis fünf Jahre; minder schwerer Fall bis drei Jahre oder Geldstrafe
Vorteilsgewährung (§ 333 Abs. 1 StGB)Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe
Bestechung (§ 334 Abs. 1 StGB)drei Monate bis fünf Jahre; minder schwerer Fall bis zwei Jahre oder Geldstrafe
Besonders schwere Fälle (§ 335 StGB)ein Jahr bis zehn Jahre, etwa bei Vorteil großen Ausmaßes oder gewerbsmäßigem Handeln
Geschäftlicher Verkehr (§ 299 StGB)Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe; besonders schwerer Fall drei Monate bis fünf Jahre (§ 300); Strafantrag oder besonderes öffentliches Interesse (§ 301)

Was ist der Unterschied zwischen Vorteilsannahme und Bestechlichkeit?

Bei der Vorteilsannahme genügt es, dass ein Amtsträger einen Vorteil für seine Dienstausübung fordert, sich versprechen lässt oder annimmt; eine konkrete Gegenleistung muss nicht vereinbart sein (§ 331 StGB). Es reicht also, dass jemand sich das allgemeine Wohlwollen eines Amtsträgers sichern will. Bei der Bestechlichkeit muss der Vorteil Gegenleistung für eine bestimmte Diensthandlung sein, durch die der Amtsträger seine Dienstpflichten verletzt oder verletzen würde (§ 332 StGB). Entsprechend unterscheidet das Gesetz auf der Geberseite zwischen Vorteilsgewährung (§ 333) und Bestechung (§ 334).

SeiteOhne PflichtverletzungMit pflichtwidriger Diensthandlung
Amtsträger (Nehmer)Vorteilsannahme § 331, bis drei JahreBestechlichkeit § 332, sechs Monate bis fünf Jahre
GeberVorteilsgewährung § 333, bis drei JahreBestechung § 334, drei Monate bis fünf Jahre

Amtsträger sind nicht nur Beamte und Richter, sondern alle, die bei einer Behörde oder in deren Auftrag Aufgaben der öffentlichen Verwaltung wahrnehmen (§ 11 Abs. 1 Nr. 2 StGB). Dazu können auch Angestellte städtischer Gesellschaften, etwa von Stadtwerken oder Wohnungsbaugesellschaften, gehören.

Was gilt für Bestechung im geschäftlichen Verkehr?

Auch zwischen Unternehmen ist Bestechung strafbar. Nach § 299 StGB macht sich ein Angestellter oder Beauftragter eines Unternehmens strafbar, der einen Vorteil dafür fordert oder annimmt, dass er beim Bezug von Waren oder Dienstleistungen einen anderen im Wettbewerb unlauter bevorzugt, oder dafür, dass er ohne Einwilligung des Unternehmens seine Pflichten gegenüber dem Unternehmen verletzt. Ebenso strafbar ist, wer ihm einen solchen Vorteil anbietet oder gewährt. Typische Fälle sind Provisionen an Einkäufer, Kick-back-Zahlungen bei Bauaufträgen und Einladungen, die an eine Auftragsvergabe gekoppelt sind.

Die Tat wird nur auf Antrag verfolgt, es sei denn, die Staatsanwaltschaft bejaht ein besonderes öffentliches Interesse (§ 301 StGB); antragsberechtigt sind neben dem Verletzten in bestimmten Fällen auch Wettbewerbsverbände und Kammern. Für Ärzte, Apotheker und andere Heilberufe gelten die Sondertatbestände der §§ 299a und 299b StGB. Kick-back-Gestaltungen erfüllen häufig zugleich den Tatbestand der Untreue.

Ab wann ist ein Geschenk strafbar?

Eine feste Wertgrenze gibt es nicht. Strafrechtlich entscheidend ist, ob der Vorteil mit der Dienstausübung oder einer geschäftlichen Bevorzugung verknüpft ist. Geringwertige Aufmerksamkeiten, die allgemein üblich und sozial anerkannt sind, etwa ein Kalender oder ein Kaffee bei einem Termin, gelten nach herrschender Meinung als sozialadäquat und nicht strafbar. Je höher der Wert, je enger der zeitliche Bezug zu einer Entscheidung und je verdeckter die Zuwendung, desto eher wird eine Unrechtsvereinbarung angenommen.

Für Beamte ist zusätzlich das Dienstrecht maßgeblich, das die Annahme von Belohnungen und Geschenken grundsätzlich von einer Zustimmung abhängig macht. Hat die zuständige Behörde die Annahme eines nicht geforderten Vorteils vorher genehmigt oder genehmigt sie ihn auf unverzügliche Anzeige, ist die Vorteilsannahme nach § 331 Abs. 3 StGB nicht strafbar. Für die Bestechlichkeit, also bei pflichtwidrigen Handlungen, gilt diese Möglichkeit nicht.

Vorteil ist dabei nicht nur Geld. Erfasst sind auch Einladungen zu Reisen oder Veranstaltungen, Rabatte, Darlehen zu günstigen Konditionen, Nebenjobs für Angehörige oder Zuwendungen an Dritte, etwa Spenden an einen Verein, dem der Amtsträger nahesteht. Weil schon das Fordern oder Sich-versprechen-Lassen genügt, kann die Tat vollendet sein, bevor überhaupt etwas geflossen ist.

Wer ermittelt in Korruptionsverfahren in NRW?

Korruptionsverfahren werden in Nordrhein-Westfalen seit 1999 von Schwerpunktstaatsanwaltschaften in Bielefeld, Bochum, Köln und Wuppertal geführt. Die Staatsanwaltschaft Wuppertal ist als Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Korruptionsstrafsachen für den gesamten Bezirk der Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf zuständig, der dem Bezirk des Oberlandesgerichts Düsseldorf entspricht und neben Wuppertal die Landgerichtsbezirke Düsseldorf, Duisburg, Kleve, Krefeld und Mönchengladbach umfasst. Wer in Düsseldorf, Neuss oder Mönchengladbach wegen Bestechung beschuldigt wird, hat es deshalb regelmäßig mit der Staatsanwaltschaft Wuppertal zu tun.

Korruptionsverfahren beginnen oft verdeckt, mit Telefonüberwachung, Kontoauswertungen und Hinweisen von Insidern, und werden erst mit einer Durchsuchung offen. Für Unternehmen kann eine Verbandsgeldbuße hinzukommen, siehe Strafverfahren gegen Unternehmen.

Welche Folgen hat eine Verurteilung wegen Korruption?

Neben der Strafe stehen die Einziehung und berufliche Folgen. Eingezogen werden kann, was der Bestochene erlangt hat, beim Geber unter Umständen der Wert des durch die Bestechung erlangten Auftrags (§§ 73, 73c StGB). Für Beamte endet das Beamtenverhältnis kraft Gesetzes, wenn sie wegen Bestechlichkeit, die sich auf eine Diensthandlung im Hauptamt bezieht, zu einer Freiheitsstrafe von mindestens sechs Monaten verurteilt werden (§ 24 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 BeamtStG); bei anderen vorsätzlichen Taten liegt die Grenze bei einem Jahr. Hinzu kommen Disziplinarverfahren, siehe Strafverfahren gegen Beamte.

Unternehmen drohen Geldbußen nach § 30 OWiG und der Ausschluss von öffentlichen Aufträgen. Für Mitarbeiter auf der Geberseite kommen arbeitsrechtliche Konsequenzen hinzu. Diese Folgen sind oft gravierender als die Strafe und müssen bei jeder Verteidigungsentscheidung berücksichtigt werden.

Für Angestellte im öffentlichen Dienst, die nicht verbeamtet sind, droht in der Regel die Kündigung des Arbeitsverhältnisses.

Was sollten Beschuldigte in einem Korruptionsverfahren tun?

Schweigen Sie zur Sache, sprechen Sie nicht mit Mitbeschuldigten über das Verfahren und vernichten Sie keine Unterlagen. In Korruptionsverfahren werden Untersuchungshaft und Durchsuchungen häufig mit Verdunkelungsgefahr begründet. Jeder Kontakt zu Geschäftspartnern oder Kollegen über den Vorwurf kann diesen Verdacht verstärken.

  1. Keine Aussage bei der Durchsuchung, Angaben zur Person genügen.
  2. Kein Kontakt zu anderen Beteiligten über den Vorwurf.
  3. Eigener Verteidiger für jeden Beschuldigten; das Unternehmen lässt sich gesondert vertreten.
  4. Akteneinsicht abwarten, bevor über eine Einlassung oder Aufklärungshilfe entschieden wird.

Was bei einer Durchsuchung gilt, steht unter Hausdurchsuchung.

Wie verteidigt Dr. Löw bei Korruptionsvorwürfen?

Kern jeder Verteidigung ist die Unrechtsvereinbarung: Ist nachweisbar, dass Vorteil und Dienstausübung oder Auftragsvergabe miteinander verknüpft waren? Oft lassen sich Einladungen, Spenden oder Beraterverträge auch anders erklären, etwa als übliche Kundenpflege, als Gegenleistung für echte Leistungen oder als Zuwendung ohne Bezug zu einer Entscheidung. Weiter prüft die Verteidigung, ob der Beschuldigte überhaupt Amtsträger ist, ob eine Genehmigung vorlag und welche Taten verjährt sind.

Dr. Löw kennt Ermittlungen dieser Art aus seiner Zeit als Staatsanwalt und berücksichtigt bei jeder Entscheidung die beruflichen Folgen. Einen Überblick über Verfahren mit wirtschaftlichem Hintergrund gibt die Seite Wirtschaftsstrafrecht.

Häufige Fragen

Ist ein Geschenk an einen Beamten immer strafbar?

Nein. Geringwertige, sozial übliche Aufmerksamkeiten sind in der Regel nicht strafbar. Strafbar wird es, wenn der Vorteil für die Dienstausübung gewährt wird. Die Annahme kann zudem durch die Behörde genehmigt werden (§ 331 Abs. 3, § 333 Abs. 3 StGB).

Wird Bestechung im geschäftlichen Verkehr auch ohne Anzeige verfolgt?

Grundsätzlich nur auf Strafantrag. Die Staatsanwaltschaft kann aber von Amts wegen einschreiten, wenn sie ein besonderes öffentliches Interesse bejaht (§ 301 StGB).

Verliere ich als Beamter bei einer Verurteilung meinen Status?

Bei einer Verurteilung wegen Bestechlichkeit im Hauptamt zu mindestens sechs Monaten Freiheitsstrafe, bei anderen vorsätzlichen Taten zu mindestens einem Jahr, endet das Beamtenverhältnis kraft Gesetzes (§ 24 BeamtStG). Darunter drohen Disziplinarmaßnahmen.

Welche Staatsanwaltschaft ermittelt bei Korruption in Düsseldorf?

Für den Bezirk des Oberlandesgerichts Düsseldorf ist die Staatsanwaltschaft Wuppertal als Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Korruptionsstrafsachen zuständig.

Wann verjährt Bestechung?

Die Grundtatbestände der §§ 299 und 331 bis 334 StGB verjähren nach fünf Jahren, die Bestechlichkeit von Richtern nach zehn Jahren. Die Frist beginnt mit Beendigung der Tat, oft also mit der letzten Zahlung.

Dieser Text erklärt die allgemeine Rechtslage (Stand Oktober 2026, zuletzt geprüft am 5. Oktober 2026) und ersetzt keine Beratung im Einzelfall. Fachbegriffe erklärt das Glossar. Fragen zur Zusammenarbeit beantworten die häufigen Fragen.

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